Das bin ich und so war`s...

  • Ja liebe Leute,
    eigentlich wollte ich gerade Tag 8 preisgeben. Aber leider funktioniert tinypic gerade nicht bei mir.
    Ich versuch´s morgen nochmal und hoffe ihr könnt euch noch gedulden schreib1

  • Vor lauter Kummer und Gram, weil es nichts zu lesen gibt, hab ich mich sinnlos mit einem Becherowka betrunken. cheers1 Mach das nicht nochmal! Hicks.

    Grüße aus dem schönsten Bundesland Schleswig-Holstein
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    Island Mai 2016, September 2016, Mai 2017, August/September 2018, August/September 2019 und kein Ende.

  • Tag 8


    Sorglos könnten wir in den Tag starten, schließlich waren die Erlebnisse gestern einzigartig. Trotzdem haben wir etwas Bauchweh. Nicht etwa vom Hotel Hrauneyjar, was uns im Übrigen positiv überrascht hat, sondern wegen dem Filter, der noch immer gegen unseren Willen vorm Objektiv hängt. Man(n) kennt das: man hat nicht wirklich ein Problem, hat aber den Ansporn es zu lösen. Da die Lösung gestern Abend auf sich warten ließ, geben wir dem Ehrgeiz heute noch eine Chance. Dazu planen wir den Tag kurzerhand um. Landmannalaugar zu Beginn und unsere Unterkunft in Giljaland bleiben gesetzt. Der Weg dazwischen wird auf den Kopf gestellt, um eventuell in Hella oder Hvolsvöllur nach Werkzeug für die Mission Objekttuning fündig zu werden. Soweitsogut machen wir uns an die Praxis und kommen eine Stunde später in Landmannalaugar an. Nachdem beide Flüsse vor den Kameras einiger Schaulustiger durchquert sind, werden wir vom Flair eines Musikfestivals empfangen. Aus hunderten Zelten schlüpfen zu Hauf relativ verkaterte zumeist junge Leute. Wir begrüßen dieses Verhalten, denn so zieht es uns mit einer Dusch/Frühstückslänge Vorsprung ziemlich allein auf die Wanderwege. Während wir zunächst recht emotionslos das Lavafeld durchqueren, wartet an dessen Ende eine Gefühlsexplosion in Form einer Reizüberflutung. All die Fotos, die ich von diesem Ort kannte und für künstlerisch geschönt hielt, werden plötzlich zur authentischen Dokumentation dieses Farbenspiels. Wie in einem Gemälde zieht die mit Wollgras geladene Wiese den Blick in die Ferne. Dort runden Berge mit allen Farben aus dem Tuschkasten der Natur das Kunstwerk ab.
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    Schon in diesem Moment wird mir klar, dass mir die Worte fehlen werden diese Eindrücke wiederzugeben und so nehme ich meinen Finger förmlich nicht mehr runter vom Auslöser der Kamera. Daran ändern die zunehmend rauchende Erde und der mit jedem Höhenmeter gigantischere Weitblick nichts. Im Gegenteil- spätestens am Anstieg zur Brennisteinsalda muss ich aufpassen den Anschluss nicht zu verlieren. Immer wieder bleibe ich stehen, drehe mich knipsend im Kreis und lege dann einen lockeren Sprint hin.
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    Erst beim Wiederabstieg ins Tal setze ich neue Prioritäten und stehe Madame kameradschaftlich bei. Ein letztes Mal genießen wir die Einsamkeit, bevor wir uns angesichts der nun heranströmenden Wanderfreunde im Lavafeld wie in einer Sackgasse fühlen. Hat sich das antizyklische Vorgehen beim Wandern bis hierhin gelohnt, rächt es sich auch bei der Abfahrt über die Piste F225, wo ich häufiger denn je im Fairplay-Modus bin um andere durchzulassen. Wenn doch alle so wären wie ich. :D Ebenso vorbildlich geht es dann auf Asphalt weiter. Tempomat auf 90km/h stellen, zurücklehnen und schon eine halbe Stunde später erfreuen wir uns am Ortsschild Hellas mal wieder in der Zivilisation zu sein. Aufgeregt betreten wir den Supermarkt. Diesmal jedoch nicht wegen des Süßigkeitenregals sondern im Glauben was Brauchbares für/gegen unseren Filter zu bekommen. Doch hier, wie auch an der Tankstelle haben wir keinen Erfolg und suchen unsere letzte Chance in Hvolsvöllur. Doch es ist und bleibt überraschenderweise Sonntag und so ist der vielleicht rettende Baumarkt verschlossen. Damit haken wir dieses Pseudoproblem ab und widmen uns den Dingen warum wir Urlaub machen, in Island sind und einen begnadeten Offroader gemietet haben. Ich wäre nicht ich, wenn ich der Ringstraße nicht die Nordumfahrung des Myrdalsjökull vorziehen würde. Wir fahren entlang des mächtigen Markarfljot, besuchen den überraschend kraftvollen Gluggafoss und strahlen mit der Sonne um die Wette.
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    Wir hoppeln vorbei am einhörnigen Berg die Piste hoch und werfen in der Nähe der Hütte Mosar einen Blick in die tiefe Schlucht des Markarfljot.
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    Ab hier sind wir wieder auf Kurs. Hatte ich doch geplant ursprünglich für heute diverse Nebenpisten zwischen F225, F210 und F261 zu nehmen. So ist mir der nächste Wegpunkt auch kein unbekannter. Mit Besorgnis hatte ich in den letzten Wochen die Meldungen über einen hohen Wasserstand des Blafjallakvisl verfolgt. Als wir am Fluss ankommen, habe ich zum ersten Mal auf diesem Trip das Gefühl gestoppt zu werden, während bei ihr das Thema ohnehin durch ist. „Eine braune reißende Brühe durch die wir nicht durchfahren“.
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    Bevor sie meine Angst Respekt sehen kann, entledige ich mich Schuhen und Hose und schnappe mir den für diese Zwecke mitgenommen Wanderstock. Ich setze meinen ersten Fuß ins eiskalte Wasser und fühle mich besiegt. Mit stechenden Schmerz in Knöchelhöhe und seelisch umgeknickt und abgetrieben, stochere ich mich trotzdem Schritt für Schritt bis zur Mitte. „Wenn ich es bis hier hin zu Fuß packe, schaffe ich mit dem Jeep auch den Rest“, rede ich mir gut zu. Schnell zurück, abgetrocknet und warmgerieben leite ich das übliche Spiel ein-Allrad rein, Untersetzung rein und nochmal durchatmen. Mit 60 bis 70 Zentimeter Wasser vor, unter und neben dem Auto sowie mittlerweile einigen Regentropfen geht es unspektakulärer auf die andere Seite als die Farbe und das Geräusch des Wassers es scheinen lassen. Auch nach dieser feuchten Erfahrung bleibt es nass, und zwar von oben. Der graue Himmel setzt sich kaum noch vom schwarzen Lavasand ab und lässt etwas später sogar den Maellifell verblassen.
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    Darüber hinaus spielt die angrenzende Sanderfläche nicht annährend ihr Potential aus sich ins Gedächtnis einzubrennen, ist sie nämlich komplett ausgetrocknet. So bedröppelt die Stimmung auch seien mag, ist ihr positiv anzurechnen, dass sie uns die Entscheidung abnimmt auf welcher Seite der Holmsa wir heute ins Ziel fahren werden. Wir entscheiden uns dafür keinen Meter zu viel zu fahren und kreuzen den hundert Meter breiten Fluss. Schlimmer als sich das liest, können wir uns von Insel zu Insel hangeln, ringen hin und wieder nach Orientierung und erwischen nur eine Untiefe. :)
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    Nachdem auch die steile Uferböschung genommen ist, fahren wir noch eben etwas flussabwärts beim Axlafoss vorbei und erreichen wenig später unsere Unterkunft.

  • schöne Fotos mit tollen Farben. So etwas habe ich bis jetzt nur im Yellowstone gesehen. Freue mich auf die Fortsetzung deines Berichts.
    Gruß
    Lothar

  • Tag 9

    Nach den vorherigen drei Nächten in Hotelbetten sitzen wir nun in trauter Zweisamkeit am Frühstückstisch unserer Cottage. Schön ist es hier. Nur zwanzig Quadratmeter klein aber mit großem Wohlfühlfaktor. Nur eines passt heute mal so gar nicht- das Wetter. War die Wetterfee bisher deutlich gnädiger als wir uns hätten träumen lassen, plätschert es schon seit Stunden auf unsere Terrasse. Mit der Routine vom Vortag Etappen auch mal spontan anzugehen, suche ich das Wolkenloch auf der isländischen Wetterseite vedur.is. und finde es westlich von Vik. Zwar passt die Richtung zur ursprünglichen Tagesplanung, aber Thakgil und den Blick über den sich zurückziehenden Gletscher Huldujökull verschieben wir auf…das nächste Jahr. Mit diesem Plan geht es erstmal volle Fahrt voraus nach Vik. Wir ergattern den letzten Parkplatz vorm Souvenirshop und rennen als wären wir aus Zucker vom Auto ins Trockene. Obwohl es hier nach Tourinepp riecht, kommen wir mit mehr wieder heraus als wir rein sind-ausgenommen der Scheine im Portmonä Portemonnaie. Auf der Spur nach gutem Wetter zieht es uns folglich weiter nach Westen. Wir sind gerade vorbei am Inselberg Petursey als sich plötzlich die Wolkendecke auseinander zieht. Perfektes Timing, denn es ist nicht mehr weit bis zur ersten Attraktion, dem Kvernufoss. Wir staunen noch schnell über die drei Dutzend Autos „am“ Flugzeugwrack und erreichen das Museum Skogar, an dessen Hinterseite entlang wir den Weg in die Schlucht der Kverna suchen. Als wir eine viertel Stunde später am Wasserfall ankommen, beginnen wir zu grübeln. Unweit des völlig überlaufenen Skogafoss stehen wir mutterseelenalleine an diesem Wasserfall, der mit der gleichen Besonderheit wie der Touristenmagnet Seljalandsfoss glänzt. Denn auch hier darf man anschauen ob das Wasser von hinten wie von vorne aussieht und zwar ohne frisch geduscht zu werden.


    Nachdem wir den Wasserfall von allen Seiten verewigt haben, geht es raus aus der grünleuchtenden Sackgasse. Getrieben von der heranziehenden Wolkenfront geht es weiter westwärts. Am Abzweig zur Straße 249 biegen wir ab, werfen dem Seljalandsfoss einen grüßenden Blick zu und steuern die nächste sehenswerte Schlucht an. Diente ich doch vor zwei Jahren als bestes Beispiel, dass man dieses kleine Highlight auf dem Weg nach Thorsmörk leicht übersehen kann, wundert es mich sehr, dass doch heute sage und schreibe zwei Autos auf dem kleinen Parkplatz stehen. Kaum können wir in den Nauthusagil gucken, sehen wir ein älteres Ehepaar abenteuerlich von Stein zu Stein balancieren. „Genau das Richtige für uns“ denke ich mir und teste prompt mangels Aufmerksamkeit ob meine Schuhe am Schaft ordentlich verschnürt sind. Während der Fehltritt im schlimmsten Fall mit einem nassen Fußklima hätte enden können, birgt die anschließende Kletterpartie ein leicht gehobenes Risiko. Um einen kleinen Wasserfall hochzukraxeln, müssen wir uns eng an die Felswand kuscheln und mit Hilfe einer Kette die zwei Meter Höhenunterschied überwinden. Obwohl ich mit gutem Beispiel vorangehe, zeige wie meine Füße mit der Felswand verschmelzen und mich wie ein Schimpanse nach oben schwinge, erstarrt Madame in Ehrfurcht.


    Einiges Zureden später meistert sie unter Ganzkörperzittern diese Prüfung ohne zu wissen wie sie je zurückkommt. Der Augenblick als wir wenig später am Ende der Schlucht sind, lässt sie diese Sorgen vergessen. Eng umgeben von moosbegrünten Steilwänden fällt uns ein no-name-Wasserfall vor die Füße, dessen Echo manch Großen in den Schatten stellt. Es ist wieder einer dieser Momente, wo man sich so klein aber glücklich in Islands großartiger Natur fühlt. Ein Moment, in dem man alles andere um einen vergisst- außer der Frage, wie ich ein Foto hinbekomme ohne Wasserspritzer auf der Linse. Ich nutze die erste Chance und treffe sofort ganz gut, sodass wir uns nach einem Weilchen auf den Rückweg machen.


    Die Kletterpassage läuft souveräner als erwartet und einmal auf den Geschmack der Gleichgewichtsakrobatik gekommen, verlassen wir die Schlucht seitwärts über einen steilen Hang. Oberhalb des Canyons versuchen wir zu sehen, wie der Wasserfall in die Tiefe stürzt. Mit mäßigem Erfolg aber schönen Fernblick über den Markarfljot geht es schließlich zurück zum Auto.


    Wohlwissend, dass wir übermorgen Thorsmörk anfahren werden, drehen wir ab und beschließen in Vik essen zu gehen. Mit jedem Kilometer, den wir uns der kleinen Stadt annähern, ernten wir eine leichte Steigerung des Schlechtwetters vom Vormittag. Die Windanzeige am Reynisfjall zeigt mittlerweile 30m/s und so bekommen die fünfzig Meter zwischen Parkplatz und Restaurant einen extra Platz in unserer Erinnerungssammlung. Nach einem Geht-so-Essen geht der ansonsten wunderbare Alternativtag zu Ende und wir fahren mit maximaler Scheibenwischerleistung in unsere Hütte.

  • thx1 erstmal für diesen tollen Bericht. Ich lese und schaue laufend in der Karte nach wo ihr ward. Unsere erste Island Reise steht fest und wird im kommenden Jahr (Juni) sein. Freue mich auf die Fortsetzung. :)

  • Auch ich bin immer mehr begeistert vom Schreibstil und der Originalität der gewählten Route. Meine nächste Islandreise wird u.a. auch aufgrund dieses Berichtes mehr Zeit für die "Sekundärziele" vorsehen, wenn nicht sogar ganz darauf ausgerichtet sein. Nur der aktuell gewünschte Zeitpunkt - Anfang Mai - kollidiert etwas mit der Hochlandlastigkeit Deiner Route.


    Folgende Frage hätte ich aber: Hat Deine Madame auch mal den Fahrersitz eingenommen? Oder durftest Du die ganze Strecke genießen?


    Vielen Dank für den tollen Bericht.


    Tadi

  • Freue mich auf die Fortsetzung.

    Leider hat jede Reise auch mal ein Ende und es kommen nur noch zwei Tage ;(

    Folgende Frage hätte ich aber: Hat Deine Madame auch mal den Fahrersitz eingenommen? Oder durftest Du die ganze Strecke genießen?

    Nein, Sie sitzt lieber vertäumt daneben. Da mir Autofahren aber generell Spaß macht, passt das schon.

    "Sekundärziele"

    Das ist ein treffender Begriff. Angesichts der Diskussion um steigende Touristenzahlen ist es doch toll, dass es noch diese kleinen einsamen Schätze gibt. Wobei ich sagen muss, dass weite Teile des Hochlands eher touristenfrei sind.

  • Tag 10


    Ungeduldig laufe ich nach dem Aufstehen zum Fenster und hoffe uns nicht wieder dem Wetter fügen zu müssen. Doch was ich sehe, bescheinigt uns beste Bedingungen für das heutige Unterfangen. Am letzten Tag vor unserer morgigen Rückreise setzen wir nochmal alle Karten aufs Hochland und wollen über einige Nebenstrecken zum Langisjor. Dafür düsen wir zunächst die F208 Richtung Norden, auf der wir uns durch eine abwechslungsreiche Landschaft entlang des mächtigen Gletscherfluss Skafta bis zur Hütte Holaskol schlängeln. Hier legen wir unseren ersten Stopp ein und merken, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Trotz wolkenlos blauem Himmel bläst uns der Wind gehörig um die Ohren. Das soll uns jedoch nicht davon abhalten einige Meter durchs Lavafeld zu spazieren bis wir an einem Wasserfall ankommen. Es sind die Wassermassen der Sydri-Ofaera, die hier, als Silfurfoss bezeichnet, etwa 20 Meter in die Tiefe donnern. Nach diesem schönen "Sekundärziel" :) (von dem es kein Foto gibt?) setzen wir unseren Weg einige Kilometer nordwärts fort, ehe wir zu einem Spot kommen, den wohl die meisten Hochlandreisenden auf ihrem Zettel haben dürften. Anders als die meisten nehmen wir jedoch nicht die F223 zur Eldgja, sondern wählen die Ansicht von oben. Dazu wollen allerdings Stangakvisl und Nordari-Ofaera gefurtet werden. Während ich mich im ersten Fluss etwas verfahre und er wohlmöglich dadurch eine stattliche Tiefe erreicht, peile ich beim zweiten sofort die 50 Meter flussaufwärts liegende Ausfahrt an. Anschließend winden wir uns sanft den Berg rauf, wobei wir schnell spüren, dass hier oben nochmal ein anderer Wind weht, der beim Aussteigen für den einen oder anderen Ausfallschritt sorgt, um auf den Beinen zu bleiben. Trotzdem treten wir furchtlos den Weg zu einer naheliegenden Aussichtsplattform an. Obwohl es steil bergab geht, müssen wir unsere Beine dabei nicht bemühen zu bremsen, denn das übernimmt der Sturm für uns, dem wir frontal ausgeliefert sind. Mit langer Brennweite zur Hand halten wir den in die eindrucksvolle Schlucht stürzenden Ofaerufoss fest, verzichten angesichts der Umstände auf eine weitere Annäherung und lassen uns stattdessen zurück den Berg hochschieben.

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    Hektisch suchen wir Schutz in unserem fahrbaren Untersatz, mit dem es nach einem kleinen Abstecher zum Aussichtspunkt Gjantindur wieder talabwärts geht. Wir folgen der Skafta gen Osten und erreichen nach fünf Kilometern die Hütte Skaelingar. Nachdem wir unsere Neugier mit einen Blick in den Wandererunterschlupf befriedigt haben, erkunden wir noch etwas die Umgebung. Bizarre Lavasäulen in allen Formen und Lagen verteilen sich hier auf der sonst idyllisch anmutenden Wiese. Einige Trollportraits später machen wir uns auf den nächsten Streckenabschnitt.
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    Als wäre ich durch meine Recherche nicht schon aufgeregt genug der Dinge die jetzt kommen, weist ein informatives Warnschild auf die Besonderheiten der bevorstehenden Kilometer hin.
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    Moderat anspruchsvoll geht es zunächst voran bis wir auf einen Weggabelung treffen. Neben der Ausschilderung eines Aussichtspunkts wecken zwei parkende Autos hier im Nirgendwo unser Interesse. Das Gefühl einen phänomenalen Blick verpassen zu können, lässt uns anhalten und wir werden prompt überrascht empfangen. Ein Mann steigt aus einem der beiden Pickups, klopft an unsere Tür und flüstert in feinster Andreas-Kieling-Manier, dass wir uns bitte ruhig verhalten und im Auto bleiben sollen. Was nach dem ersten Satz wie ein Überfall wirkt, entpuppt sich nach dem zweiten als Schafabtrieb. Er kündigt an, dass gleich eine Menge Schafe gefolgt von einigen Treibern über den Berg kommen würden. Wer nun eine Kavallerie an Reitern und hunderte Schafe erwartet hätte, wäre beim Anblick der sich nähernden zwei Quads und einer Handvoll Schafen sicher enttäuscht worden. Nach einem eindeutigen Handzeichen dürfen wir die Szene verlassen. Während es im weiteren Verlauf sandiger wird und etliche frische Quadspuren die Fleißarbeit der Schaftreiber verraten, können wir schon bald in der Ferne unsere bisher mental herausforderndste Hürde sehen. Es ist der Blautulon, der wie sonst nur der Horizont unsere Piste verschlingt. Selbst ausgesucht muss ich da jetzt durch, denke ich mir. Den nett gemeinten Tipp des Hinweisschilds folgend halte ich mich möglichst rechts, checke links die Wassertiefe des glasklaren Sees und pfeife das Kinderlied „Eine Seefahrt, die ist lustig..“ vor mich hin.
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    Endlich wieder Land unter den Rädern machen wir noch ein Erinnerungsfoto und setzen die Fahrt Richtung Langisjor fort. Wenig später dort angekommen, entscheiden wir einstimmig, dass es heute keine gute Idee ist, den am Fuße des Sees liegenden Berg Sveinstindur zu besteigen. Um trotzdem einen Überblick über den 30 Kilometer langen See zu erhaschen, erklimmen wir einen anderen Berg-per Auto. Bis auf 300 Meter über dem See geht es sehenswert durch ein wüstenartiges Hochtal zum Breidbakur. Majestätisch schön, bilden hier oben der Vatnajökull im Osten , die Lakikrater im Süden, das Fjallabak im Westen und der See unter uns den Blick des Urlaubs.
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    Es ist einer der Momente, die man am liebsten mit seinen Liebsten teilen würde und so bin ich froh, dass Madame in den selben Genuss kommen darf und nebenbei den Moment so ausdrucksvoll verewigt.


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    Schweren Herzens reißen wir uns los, fahren noch ans Ende des Sees und machen uns dann auf den Rückweg. Wieder runter vom Berg entscheiden wir uns für die Faxasund-Piste und erreichen nach einer ordentlich tiefen Furt zu Beginn und heftigen Geschüttel am Ende Stunden später wieder die F208, die uns in unsere Cottage bringt.

  • wow was für ein Bild am Ende, da bin ich wirklich neidisch!
    Ein schöner Bericht, schade das es bald keine mehr gibt... die lesen sich so gut


  • Ja es war der 6.September. Woher weißt du das?


    Daher:


    Endlich ist es soweit, der 27.08.2016, die Reise ins Abenteuer beginnt.

    wenn man da 10 Tage dazu zählt kommt der 6. September heraus ;)


    Wenn ich meine Bilder von dem Tag betrachte, habe ich einen Großteil der Zeit bei regen-grauem Regen-Smiley Wetter am Selfoss und Dettifoss verbracht. Und Du zeigst hier das Hammerbild Respekt--Smiley mit klarem Himmel und tiefblauen See vom selben Tag.



    Dieter

  • Tag 11


    „Heute ist es so weit, es geht nach Hause“-schon oft habe ich diesen Satz in freudiger Erwartung in den letzten Jahren gesagt. Heute nicht, denn Island zu verlassen fällt bekanntlich schwer. Drum wollen wir den Tag nochmal voll auskosten, schließlich hebt unser Flieger erst gegen Mitternacht ab. Wir starten mit einem reichhaltigen Frühstück in unserer liebgewonnen Unterkunft und trödeln angesichts des langen Tages ungewohnt rum.




    Erst gegen zehn Uhr setzen wir uns in Bewegung und fahren erstmal dieselbe Strecke wie vorgestern. Wahrscheinlich deshalb haben wir Zeit, uns beim Pläneschmieden für das nächste Jahr zu überbieten. Vor lauter Träumerei vergeht die Zeit wie im Flug und wir stehen bald am Anfang der F249-jene Piste auf der wir vor zwei Jahren mit dem Dacia das Handtuch geschmissen haben. Der Ehrgeiz ist also geweckt und bewegt Madame die Flüsse mitzuzählen. Eins-zwei..-dreizehn, dann biegen wir erstmal Richtung Gigjökull ab. Waren es bisher eher Rinnsale, sind die zwei Durchfahrten auf dem kurzen Stück zum Gletscher beachtlich tief. Dass das kein Wunder ist, sondern eher den spätsommerlichen Temperaturen geschuldet ist, sehen wir als wir wenig später den Ursprung der Wassermassen ausmachen. Wir stehen direkt am Gigjökull, staunen über die Dimensionen der Felsspalte und wollen uns nicht ausmalen, was für Naturgewalten hier beim Eyjafjallajökullausbruch wirkten.




    Wir wollen uns gerade auf dem Weg zurück zum Auto machen und sehen aus der Ferne unser Jeep vor lauter Bäumen Landrover nicht. In der Zwischenzeit sind auf dem Parkplatz etwa zehn Defender in voller Besatzung gelandet. Der einer Klassenfahrt ähnelnde Aufmarsch ist für uns das Aufbruchzeichen. Nach kurzem Anbaden im schon bekannten Gletscherfluss geht es durch die mehrfach so breite Steinsholtsa.




    Jedem Fahrer eines Nissan Qashqai, den ich jetzt noch zu Gesicht bekomme, bescheinige ich durchaus ein hohes Maß an Risikobereitschaft. Einige Kilometer später wird das wohl auch der ein oder andere Beobachter gedacht haben, als er unseren kurzen Jeep zwischen den Armen der Krossa hat stehen sehen. Vorm Hauptarm, dann das erstmal Übliche: „da fahren wir nicht durch“ von Madame. Nachdem ich erstmal still bin und ihre Meinung damit bekräftige, verleiht sie der gleichen Aussage mit einem Ausrufezeichen und forschem Ton mehr Nachdruck. Irgendwann laufe ich eher planlos den Fluss entlang und wünsche mir einen Vorturner aus dem Camp Langidalur. Glück und Pech zugleich kommt wenig später ein Dodge Ram daher und fährt als wäre es das normalste der Welt einfach durch. Das Eintauchen seiner fußgängerfreundlichen Motorhaube signalisiert mir eine Wassertiefe über einem Meter. Hätte ich allein nach diesem Anblick die rote Fahne gehisst, warnt der weise Isländer noch vor Regen am Nachmittag und einem weiteren Anschwellen des Flusses. Wir parken also das Auto und nehmen die Fußgängerbrücke. Mit Blick auf das schlechter werdende Wetter und etwas Kraftlosigkeit wollen wir nur eine kleine Runde wandern und auf den Aufstieg zum Valahnukur verzichten. Flott sind wir in Husadalur, suchen die Sönghellir und machen entgegen aller Planungen plötzlich viele Höhenmeter. Da ich die Höhenangaben in der Karte falsch deute und Umdrehen sowieso zu einfach wäre, sehnen wir uns schnell danach einfach am obersten Punkt des Rundwanderwegs zu seien, wonach es dann wieder bergab gehen sollte. Jeder Schritt fällt schwer, drückt auf die Stimmung und in allem Überfluss bewahrheitet sich der Wetterbericht des alten Isländers. Der zunehmende Regen, der steile Berg und ein Tropfen Wehmut mixen sich zu einem Cocktail, der bei Madame zu einem emotionalen Breakdown führt. Sie kann nicht mehr, will nicht mehr und merkt dabei garnicht, dass sie es eigentlich schon geschafft hat. Folglich geht es mit den Füßen zwar bergab, mit der Stimmung aber wieder schnell bergauf.




    Am Auto angekommen ist dann auch wieder alles vergessen und wir freuen uns nun auf unser standesgemäßes Abschlussessen im Kaffi Krus. Zwei Stunden später sitzen wir dann auch schon in Selfoss am Tisch, lassen die Gedanken in den Erlebnissen der zurückliegenden Tage kreisen und sagen vor den obligatorischen letzten Stunden auf der Insel schon mal „BIS BALD ISLAND!“