Westfjorde September 2017

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  • Meine 9. Islandreise ging in die Westfjorde, wo ich 2014 schon einmal war. Aber 10 Tage reichten einfach nicht aus, um alles zu sehen, was es zu sehen gab. Insofern hatte ich mich entschlossen zu einer anderen Jahreszeit mit anderen Landschaftsfarben noch einmal zu fahren. Hier mein Bericht:

    Island, September 2017

    1. Tag - 14.09.


    Beruflich und an Haus- und Gartenarbeit lag soviel an, dass ich bis zum letzten Tag keinen Gedanken an meinen Urlaub verschwenden konnte. Das einzige was ich mir in weiser Voraussicht habe zum Geburtstag schenken lassen, war eine Wetterdichte Jacke mit separatem Vlies-Innenteil von Jack Wolfskin. An meiner alten Jacke war das Beste von ab, - war auch ein Billigmodell, hat nur 5 Jahre gehalten. Wenn ich den Preis zugrunde lege, muss die neue über meinen Tod hinausreichen, d. h. die Kinder müssen sie noch ein paar Jahre tragen, wobei ich mindestens 100 Jahre alt werden muss– wenn ihr versteht, was ich meine.

    Na gut, also, ansonsten wurde am letzten Tag eingepackt was ich an Fotoequipment brauchte ­̶ sollte ja ein Erholungs- und Fotourlaub für mich allein werden. Eigentlich hätte ich auch nur Fotourlaub schreiben können, weil, Erholungsurlaub ist ja das Gleiche. Andere Sachen waren nebensächlich. Das Problem dabei waren nur die Gepäckbestimmungen der Airline. 20 Kg durfte der Koffer wiegen, 6 Kilo das Handgepäck. Zusätzlich war noch eine Laptoptasche erlaubt, Gott sei Dank ohne Kilobegrenzung.

    Zunächst kam aufgrund der Größe das Fotostativ in den Koffer. Als der Fotorucksack gepackt war, befanden sich doch tatsächlich 12,5 Kg darin. Merde ! Dann eben die Hälfte wieder raus! Zwei Objektive, Ladegeräte- und Blitz verließen den Rucksack in Richtung Koffer, alle Akkus, Batterien und Kabel wanderten in die Laptoptasche, ebenso die externen Festplatten. Jetzt passte es. Dafür wurden alle Schuhe und Pullover aus dem Koffer entfernt. 10 Unterhosen, Hemden und Socken wurden als Verpackungsmaterial für die teuren Objektive im Koffer verwendet. Ein paar T- und Sweatshirts hatten dieselbe Funktion. Noch eine Hose und die Kosmetiktasche, fertig! Jacke und Wanderschuhe wurden angezogen.

    19,8 Kg – perfekt ! Naja fast, der Fotorucksack hatte immer noch 7 Kg. Notfalls kommt die Ersatzkamera in die Jackentasche.

    18.45 Uhr, auf geht’s, diemal ab Bremen. 75 Minuten Fahrzeit wurden eingeplant und eingehalten. Den CR-Code des Online-Tickets vor den Scanner des Automaten der Parkgarage gehalten – nichts passiert. Noch gefühlte 110 mal gedreht und gewendet, vergeblich! Geklingelt – keiner da ! Das fängt ja gut an! Dann eben Ticket gezogen und rein – das Problem hatte ich vor Jahren schon mal, wurde dann einfach per Hand bei der Ausfahrt eingelesen und freigeschaltet.

    Das Gepäck ging dann einwandfrei durch, sowohl bei der Gepäckabgabe als auch bei der Sicherheitskontrolle. Das Bording begann pünktlich. Eine Viertelstunde vor dem offiziellen Abflugtermin kam vom Piloten die Durchsage: „Boarding completed, wir starten 10 Minuten eher“. Kein Wunder, mit den Passagieren hätte man gerade mal zwei Fußballmanschaften incl. Ersatzspieler vollbekommen. Ich hatte einen Fensterplatz und die ganze Reihe für mich allein. Der Pilot hatte es eilig! In einem Affenzahn bog er auf die Startbahn ein und gab dann sofort ohne Halt Vollschub. Time is Money! Auf Island kamen wir dann sogar 20 Minuten früher als geplant an. Das passte mir gut in’s Konzept! Ich wollte nämlich sofort nach Erhalt des Autos durchstarten, mir ein tolles Vordergrundmotiv suchen um dann die angesagten Polarlichter fotografieren zu können. Laut „Vedur.is“ stand die Vorhersage für Polarlichter auf „Level 6“, dazu sollte es sternenklaren Himmel geben. So, nun schnell, wie laut Buchungsbestätigung angegeben, gucken, wer mich „persönlich im Flughafengebäude empfängt“.

    Nichts passiert, keiner mit einem Schild, auf dem mein Name steht. Nicht ärgern Klaus, hast ja Urlaub! Nach einer Weile die anderen Anbieter gefragt, keiner kannte meinen Autovermieter – die Tefonnummer auf dem Bestätigungdschreiben angerufen – ebenfalls Fehlanzeige. Gut, vielleicht weiß die Information etwas. „Ja, aber sicher doch, für den Anbieter ist Europecar hier am Flughafenschalter zuständig!“. Ich musste meinen Ärger unterdrücken, dass das weder mündlich mitgeteilt wurde, noch schriftlich irgendwo fixiert ist. Nein, nicht ärgern, freuen über das, was man hat und nicht ärgern über das, was man hätte haben können. Ich hab Urlaub! Freuen wir uns auf die angesagten Polarlichter – wir, das sind ich und mein anderes „Ich“. Das war eben auch das andere „Ich“, was mich ärgern lassen wollte. Um 00.10 saß das positive „ich“ im Auto! Zunächst wurde Vatnsnes angesteuert um alles nachzuholen, was 2014 bei Sturm und horizontal fliegendem Regen ausfallen musste. Im Flugzeug hatte ich knappe drei Stunden geschlafen, das reichte erst einmal. Alle Nase lang angehalten und nach oben gesehen, aber es gab keine Polarlichter. Dann eben nicht, am Abend des Tages sollte der Aktivitätslevel noch genauso hoch sein, meinte „Aurora forecast“. Wolken waren dort auch nicht angesagt. Also nur Freude verschoben. Unterwegs noch mal eine Stunde Schlaf nachgeholt! Ich hatte mich um 17.00 Uhr im Ferienhaus in Hlíd bei Búdardalur angemeldet, somit also reichlich Zeit zum Fotografieren. Und.... der Tag wurde ein Traum ! Erst war es war traumhaft kalt, minus 2°, alles weiß. Sogar die Champignons in den Weiden waren gefroren. Die Kapuze an meiner Jacke hielt auch nicht wirklich warm. Meine Pudelmütze ...? Lag im offenen Handschuhfach meines Autos am Flughafen. Sie sah mich bei der Hinfahrt immer wieder an und sagte: „Nimm mich mit“. Da schlug wieder mein anderes „Ich“ zu. Brauchst Du nicht und denk an das Übergewicht des Gepäcks, pro Kilo 19 Euro pro Strecke. Dabei wog sie gerade mal 200 Gramm.

    Das Wetter zeigte sich dann aber von der besten Seite. Das goldene Morgenlicht tauchte die Motive ein, die sonst keine waren und verzauberten sie zu Märchenfiguren. Es wurde schnell wärmer, so dass das andere „Ich“ mit der Pudelmütze letztlich Recht behalten sollte. Die aufgesuchten Robbenbänke waren, wie schon 2014, alle leer, obwohl Ebbe war. Aber es gab andere Motive. Hvammstangi Hafen wurde ebenso angesteuert,

    wie diverse spontan in's Auge fallende Szenen und Objekte. Hvítserkur erreichte ich ebenso noch bei Ebbe und konnte mir den Felsen trockenen Fußes aus der Nähe ansehen. 2014 stand ich im Sturm und horizontalem Regen auf dem Parkplatz und habe den Versuch aufgegeben, ihn mir anzusehen. Nach Vatnsnes fuhr ich dann noch ohne Plan kreuz und quer durch die Landschaft und ließ mich inspirieren. Unter anderem fuhr ich die Straße F 586, die entlang des Réttarfosses führt - wunderschön, mit Wasserfällen und zahlreichen kleinen Furten. Dort habe ich mir erst einmal den Magen mit Heidelbeeren vollgeschlagen, - lecker. Es war Mitte September in den Westfjorden, insofern kein Wunder, dass ich abseits der Hauptstraßen stundenlang fuhr ohne jemanden zu begegnen. Am ersten Tag schon hatte ich das Gefühl, ich wäre bereits eine Woche in Urlaub. Ich war angekommen auf Wohlfühllevel 10. Auf der Speicherkarte befanden sich gefühlte 1000 klasse Fotos, dabei hatte ich nur 300 Aufnahmen von 30 Motiven gemacht. Die möglicherweise noch kommenden Polarlichter sah ich jetzt schon als Zugabe.

    Abends am Fereinhaus angekommen, wurde erst einmal alles eingeräumt und Brote geschmiert, - ich hatte hunger. Ich hatte auch keine rechte Lust mehr auf’s Fotografieren, guckte dennoch immer wieder mal nach draußen, ob etwas am Himmel zu sehen war. Nee, gab nichts zu sehen, der Himmel hatte sich zugezogen, obwohl die Vorhersage ganz anders ausgesehen hatte. Dann wurde die Speicherkarte gesichert, der Akku geladen und noch mal kurz in’s Internet geschaut, wie es morgen aussehen soll. Da sehe ich, dass der Level für Polarlichter heute auf „7“ gesetzt worden ist. Da meldet sich das andere „Ich“ wieder. Das musst Du ausnutzen - 7 - !!!... strong!! Ich lasse mich unterkriegen, packe die Fotosachen in’s Auto und fahre ca. 100 Km nach Nordosten, bis die Wolkendecke aufreisst und ich einen blauen Himmel zu sehen bekomme. Es wird dunkel und zwei Stunden später zieht es auch hier zu. Also alles umsonst. Weit und breit keine Polarlichter. Es macht mir aber nichts aus. Dann eben ein anderes Mal. In der Hütte wieder angekommen noch mal in die Vorschau gesehen, äh..., was ist das denn. Auf einmal steht da nur noch „Level 4“ für heute. Würfeln die da bei „Vedur.is“ oder halten die Leute das wie die Bauern mit dem Hahn: „Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist“. Ich verlass mich in Zukunft nicht mehr auf den Hahn und mein anderes „Ich“ kann mir gestohlen bleiben.





  • "to come down" oder "to calm down" der kleine, aber feine Unterschied :/:P

    Es ist zweideutig gemeint. Vielleicht wird es klar, wenn man weiterliest.


    PS. Hab's jetzt ganz weggelassen und diese hierauf bezugnehmenden Textpartien rausgelassen. Vielleicht sollte man etwas mehr des Textes lesen, bevor man mit solchen Einwänden kommt !

  • Mit dem Nordlichtindex ist das immer so eine Sache.
    Mitte August war der Level erst auf 7 für die Nacht angekündigt und ging dann runter auf 5 - keine Nordlichter. Kurz vor Mitternacht sank der Level dann auf 2 (auch bei aurora-service.eu) und kräftige Nordlichter erschienen.
    Wir erleben das öfters das bei starkem Level kein Nordlicht ist und bei niedrigem der Himmel bunt.





  • Der nächste Tag. 15.09.2017


    Eigentlich stand heute ein zweistündiger Rundflug über die Westfjorde mit Guðmundur an (Anm. der Red.: Name wurde geändert). Gestern kam leider die Nachricht, dass er einen anderen Termin dazwischen schieben musste. Aber es wäre auch ohnehin kaum möglich gewesen zu fliegen, da sehr starke und böige Winde angesagt wurden. Kein Problem, halt ein anderes Mal.

    Es regnet ! In aller Ruhe wird gefrühstückt, anschließend die Fotosachen in das Auto gepackt. "Schlechte Fotos bei gutem Wetter kann jeder, gute Fotos bei schlechtem Wetter zeichnet den guten Fotografen aus" (© das andere „Ich“). Das Wetter und ich haben uns durchgesetzt, es hörte auf zu regnen. Es war zwar bedeckt, aber ein strukturierter Himmel mit einzelnen Lücken. Das sollte aber nicht so bleiben, - es wurde besser, viel besser, um nicht zu sagen: „unerträglich schön !“. Wer hat das gesagt ? Zum Nachmittag kam immer mehr die Sonne durch und bot fantastische Lichtstimmungen. Aber die Ansage, dass es stürmisch werden sollte, traf zu. Dazu später mehr.

    Egal welches Ziel ich anfuhr, ich war mit wenigen Ausnahmen, wo mal 6 - 8 Leute auf einer Stelle standen, fast immer allein. Traumhafte Landschaften, tolle Fotomotive. Morgens ging es erst einmal auf den Klofningsvegur (590) rund um die Halbinsel nordwestlich von Búdardalur, einfach wunderschön. Hier gibt es einen Weg ohne Nummer zur Dagverðaneskirkja, die am Meer gelegen ist. „Eine zauberhafte Strecke, ein wunderschönes Stückchen Erde“. Halt die Klappe anderes „Ich“, das ist ein Geheimtipp. Aber egal, da das hier ohnehin keiner liest.... !

    Die Strecke, obwohl nicht extra ausgewiesen, sollte nur mit einem Auto mit Bodenfreiheit befahren werden, zumindest nach starken Regenfällen. Mehrfach vorhandene große und tiefere Pfützen, in denen größere Steine unter der Wasseroberfläche liegen, könnten so manchen Unterboden/Ölwanne aufreißen. Zum Mittag ging es zurück zur Ferienwohnung, ich hatte mir nichts zum Essen mitgenommen. Am frühen Nachmittag fuhr ich dann noch mal Richtung Stykkesholmur. Ich kannte die Strecke schon von unserer Fotoreise mit drei Freunden aus dem Jahr 2011. Mein

    nächster Stopp war bei der Kirche von Narfeyri, die ich aus der Ferne 2011 schon fotografiert hatte. Es gibt dorthin keine Zuwegung mehr. Der Weg führt über den dortigen Hof, wo man um Erlaubnis bittet, über die Wiese gehen zu dürfen.

    Der nächste Halt fand dann bei dem Schiffswrack an der Küste des Hvammsfjördur statt. Nach etwa 700 m Fußweg mit Stativ und Kamera auf der Schulter stand ich am Ufer und konnte mit dem 400er Tele bei nicht wirklich gutem Licht einige Fotos machen. Irgendwann sagte der Kopf: „empty, Akku leer, Speicher voll“. Ich konnte die gewonnenen Eindrücke nicht mehr verarbeiten. Das war wie in einer Bildergalerie. Da muss ich nach dem 5. Raum auch immer raus, weil nichts mehr geht. Der Rückweg....! Das Licht wurde immer besser, die Sonne fand häufiger den Weg durch die Wolken. Die Sonnenstrahlen fielen mit einer intensiven Wärme auf’s Land. Da war es wieder, das andere „Ich“. „Fahr doch über die Berge die Straße 55 zurück. Da oben..., die dichte Wolkendecke mit den durchbrechenden Sonnenstrahlen, atemberaubend....!“. Quatsch, das sind noch noch mal gute 100 km mehr zum Ferienhaus. Da habe ich gute Fotos aus 2010 ! „Aber Du weißt doch, keine Situation ist wie die andere“. Nein, Schluss aus !!!!!! Ich habe mich wieder einmal durchgesetzt, bin die kürzere Strecke gefahren. Dennoch wurden die Reserveeinheiten aktiviert und noch einige kleinere Halt’s eingelegt, um einzigartige Lichtstimmungen und Szenen einzufangen. In der Hütte angekommen wurde das abendliche Ritual des Abspeicherns der Daten und das Füllen der Akkus eingeläutet. In der Zwischenzeit machte ich mir Abendbrot und begann mit

    dem Schreiben des Tagebuchs. Als es allmählich dunkel wurde fiel mir ein, dass ich noch gar nicht nach der Polarlichtvorhersage geschaut hatte. Der Level wurde wieder mit „6“ angegeben. Ein Blick nach draußen, ... es war ein lockerer Wolkenhimmel. Na, da machen wir es uns doch im Ferienhaus gemütlich und warten ab. „Aber hier ist doch kein tolles Motiv für den Vordergrund, denk an einen optisch wirksamen Bildaufbau. Willst Du nicht, dass man Deine Bilder klasse findet ?“. Hab ich Dir nicht schon heute Nachmittag gesagt, dass Du die Klappe halten sollst ! Ich mache Lifestyle-Fotos, ungeschönt, wie im wahren Leben, mit Stromleitungen und Schrottautos vor der Tür. Mir müssen die Fotos gefallen, nicht „Dir“ und nicht anderen. Das ist wie mit jungen Künstlern, die gefördert werden und ausstellen und wobei ich mit deren Kunstobjekten manchmal auch nichts anzufangen weiß, geschweige denn verstehe, dass sie dafür noch Geld bekommen. Scheiße....., jetzt denk ich schon wie „Du“. Beim dritten Mal nachsehen, bemerkte ich helle Flecken am Himmel, ganz blass, wie helle Wolken. Aber die Wolken, die da vorher waren, waren dunkel. Kamera auf’s Stativ gebaut und .... , wo war meine Stirnlampe ? Mist, auch die hatte ich zu Hause gelassen, obwohl ich sie einen Tag vor der Abreise noch im Blick aber dann das Einpacken verschoben hatte. Wenn ich mich recht erinnere, hatte mein anderes „Ich“ zu dem Zeitpunkt eine andere Tagesplanung. Die Vermieterin des Ferienhauses, die mich beobachtete und mir schon am Tage Hinweise zur Polarlichtfotografie im Talkessel gegeben hatte, hatte das so entstandene Problem aber sofort erkannt und kam mit einer kleinen Leuchte mit integriertem Bewegungsmelder, der so eingestellt war, dass man ihn mit geschickten Bewegungen so aktivieren konnte, wenn man Licht brauchte. Das Licht ging automatisch nach 2 Sekunden wieder aus. Dann wurde eine erste Langzeitbelichtung gemacht. In der Tat, es waren Polarlichter, noch ganz schwach, aber sie kamen. Dann waren sie über dem ganzen Himmel zu sehen, zunächst nur als durchgehende Schleier, dann einzelne Beamer in blassem Grün und zartem Rotviolett. Einige Vorhänge waren deutlicher zu sehen, aber immer noch blass. Intensive Farbtöne suchte man vergeblich. Die Polarlichter zeigten ihre ganze Schönheit erst

    durch die Langzeitbelichtung und bei der Betrachtung am Computer. „Du kannst doch jetzt nicht...................!!! , wagte „Es“ schon wieder einzuwenden ! Halt endlich die Klappe, ich weiß, das Schauspiel ist noch lange nicht zu Ende, aber ich bin müde. „Es“ gab endlich Ruhe ! Ich ging um 1.00 Uhr morgens zu Bett, aber an Schlafen war nicht zu denken; das Erlebte war zu viel.





  • Dritter Tag 16.09.2017



    Trotz wenig Schlaf in der Nacht bin ich um 6.50 aufgewacht. Ein Blick aus dem Fenster sagte mir: „liegen bleiben !“. Es war Grau in Grau, die Wolken hingen tief in den Bergen. Erst einmal wurde in Ruhe Frühstück gemacht, abgewaschen und das Tagebuch weitergeschrieben. Es fing ganz sachte an zu regnen, wurde dann gegen Mittag aber deutlich heller, ohne aber trocken zu bleiben. So blieb ich noch eine Weile in der Hütte. Dabei wartete ich vergeblich auf Einwände des anderen „Ich“; es war eingeschnappt und blieb stumm. Endlich zeigten sich erste Sonnenstrahlen. Das war der Punkt um loszufahren. Ich hatte kein Ziel, sondern nur zwei Intentionen. Zum einen wollte ich Ecken finden, die ich noch nicht gesehen hatte und zum anderen Lichtstimmungen hinterherjagen. Ich machte den CD-Player an und hörte Bubbi Morthens, Magnús Þór Sigmundsson, Hera und andere. Ich genoss die Landschaft, fuhr einfach, träumte, sinnierte und dachte gar nicht an’s Fotografieren. Ich entspannte, ließ mich treiben. .... Ich wusste, er kann’s nicht lassen. Das andere „Ich“ meldete sich wieder und wandte ein, dass „noch thematische Lücken bestehen, die gefüllt werden müssen, um entsprechende Themenkalender zu ergänzen“. Hast Du was gesagt ? Ich fuhr gerade auf der Straße 55 durch das Hochland. Es schüttete mal wieder. Dennoch kam der Zeitpunkt, wo ich wieder aktiv werden musste und das fotografische Auge einschaltete.



    Ich war inzwischen über die Straße 55 bis auf den Snæfellsnesvegur (54) gelangt. Da waren sie, alte verfallene landwirtschaftliche Gebäude und eine alleinstehende Kirche sowie Pferde auf einer Kuppe, die vor einem im Dunst verschwindenden Hintergrund wunderschön zum Ausdruck kamen. Über Borganes ging es jetzt nach Hause. Noch ein kurzes Foto von der Kirche vor dem dunkelblauen, regenträchtigen Himmel. – das war’s ! Es war wieder ein wunderbarer, entspannter Tag. Jetzt zur Hütte und noch alles im Tagebuch festhalten. Aber dazu kam ich nicht wirklich. Im Nachbarhaus hatten sich zwei junge deutsche Männer eingemietet und fragten, ob es hier gestern Polarlichter gab. Das Gespräch dauerte und fand viele weitere Themen und endete mit dem gemeinsamen Blick in den Himmel. Es galt immer noch Level „6“, der aber bald auf „4“ reduziert wurde. Mit bloßem Auge war noch nichts zu sehen. Die Kamera sah mehr, Grün war der Himmel, wo Wolken Lücken ließen. Aber schon bald sah man erste Beamer und Fahnen. Irgendwie gefiel mir heute die Fotografierposition vor Ort nicht. Stromleitungen, hell beleuchtete Viehställe und weiterhin starke, böige Fallwinde im Gebirgskessel waren denkbar schlecht für gute Fotos. Mein anderes „Ich“ war sich unschlüssig, was es wollte. Ich  war dagegen ganz spontan, habe mich in’s Auto gesetzt und bin 6,5 Km auf’s freie Feld zur Straße 64 gefahren. Dort habe ich mich auf  die Einfahrt zu einer Weide gestellt. Die Kamera mit Fernauslöser befand sich schon auf dem Stativ, so brauchte ich es nur platzieren. Der Blick nach oben war einfach atemberaubend. Nach einer Serie von 30 Fotos schwächten sich die Polarlichter deutlich ab. Es war sicherlich noch nicht das Ende. Aber mir reichte es. Es kamen auch keine Einwände von anderer Seite. Wieder an der Unterkunft angekommen, warteten die anderen beiden schon auf mich. Noch ein kurzer Plausch, dann ging es in’s Bett. Aber an ein sofortiges Einschlafen war nicht zu denken. Die Eindrücke wirkten erneut nach ! Nach drei Urlaubstagen fühle ich micht entspannt und erholt wie nach einer Woche. Das andere „Ich“, dass mich sonst immer voran- und umtreibt, hält sich erstaunlicherweise immer mehr zurück. Wahrscheinlich macht es auch nur Urlaub, um mich dann zu Hause wieder zu trietzen. Damit kommt es aber nicht durch. Ich werde mir hier einen Plan zurechtlegen, wie ich das verhindern kann. Gute Nacht!

  • 4. Tag

    Heute geht es zur nächsten Station nach Talknafjördur. Daher war um 6.30 Uhr wecken angesagt. Ich habe dann in aller Ruhe gefrühstückt, die Koffer gepackt, Bettwäsche abgezogen, Brote geschmiert und das Geschirr abgewaschen. Um Punkt 8.00 Uhr ging es weiter. Es waren immerhin ohne Umwege 265 Kilometer und reine Fahrzeit bei maximal zulässiger Geschwindigkeit 3,5 Stunden.. Meist fuhr ich nur halb so schnell und hielt immer wieder an, wollte ja etwas sehen von der Landschaft und auf gar keinen Fall ein Motiv verpassen. Zu Haus ärgere ich mich immer über solche Schleicher. Da bin ich mir aber nicht sicher, ob das wirklich ich bin, oder doch das andere „Ich“. Mag auch sein, das wir uns da einig sind. Aber hier fiel die langsame Fahrweise eigentlich nicht auf. Alle 10 km hatte ich mal Kontakt mit einem anderen Fahrzeug. Das waren aber meist Einheimische. Das merkte ich daran, dass für sie die Geschwindigkeitsbegrenzungen nicht gelten. Gelegentlich habe ich mich genötigt gefühlt, an Streckenabschnitten, wo ein Überholen schwierig war, meine Geschwindigkeit anzupassen. Das war auf ausgefahrenen Schotterpisten mit einem Ziegenbock namens „Jimny“ unter dem Hintern und einem für solche Straßenberhältnisse nicht angepassten Luftdruck, nicht immer einfach. Ein ums andere Mal verlor mein Freund dabei die Bodenhaftung. Da ich berufsbedingt solche Straßenverhältnisse kenne, hatte ich mein Gefährt aber immer im Griff.

    Das Wetter zeigte sich heute übrigens von seiner besten Seite. Ein Mix aus Sonne und ausdrucksstarken Wolken. Als nächstes Ziel sollte Reykholar angesteuert werden. Unterwegs wurden aber ein paar Motive, die ich schon zuvor abgelichtet hatte, noch einmal in anderer

    Stimmung aufgenommen. Heute hörte ich auf der Fahrt Leonhard Cohen, A Fine Frency, Beatles, Carlos Santana u.a., perfect zur Entspannung.

    Gegenüber der Abbiegung nach Reykholar sah ich eine Fläche mit Zwerggehölz bewachsen, dass in allen Rot-, Gelb- und Grüntönen der Herbstzeit leuchtete, - naja, es fehlte in dem Moment gerade die Sonne, sonst wäre es noch intensiver gewesen. Ein Halt war unumgänglich. Eine Zuwegung mit kleiner Parkfläche war vorhanden. Nach ein paar Fotos wollte ich doch wissen, wohin der Weg weiter führt. Ein Schild zeigt an, dass es hinauf zu den Vaðalfjöll mit einer Höhe von 509 m geht. In diesem Fall war es gut ein 4x4 zu fahren. Die Schotterpiste weist teilweise Steigungen über 20 % auf und sehr grobes Gestein. Im Internet steht, dass sie im Sommer auch mit einem normalen PKW zu befahren sei – ich halte es schlichtweg für ein „no go“, absoluten Blödsinn. Oben angekommen, wobei ich nicht ganz zum Parkplatz an den beiden Gipfeln gefahren bin, bot sich eine fantastische Rundumsicht. Der ganze Weg zur Hochfläche führte durch ein farbenprächtiges Szenario von Zwerggehölzen und kleinen Wasserflächen. Ich konnte mich gar nicht sattsehen und machte mehrere Dutzend Fotos. An der Stelle der Umkehr war es mal wieder soweit, dass mein anderes „Ich“ sich zu Wort meldete. „So kurz vor Schluss kannst Du doch nicht abdrehen!“. Doch, kann ich ! Es gibt noch mehr zu sehen und der Weg ist noch weit. Es blieb dabei, ich drehte um und fuhr auf der anderen Seite von der 60 nach Reykholar. Die Kirche und ein blauweißes Farmgebäude hatten es mir angetan. Weiter ging es die Schotterpiste bis zu einem kleinen Hafen, in dem sich ein Boot befand. Es war Ebbe und der gelbgrüne Tang lag an der Oberfläche. Ein tolles Bild ! Auch die Landschaft hier war wieder einmal faszinierend. Es war Zeit mein Mittagsbrot einzunehmen. Ich genoss die Ruhe. Den ganzen Morgen war ich, wo ich auch hinkam, alleine. Eigentlich war es die ganzen Tage schon so. „Wo sind die über 2 Millionen Touristen ?“, warf das andere „Ich“ ein. Halt einfach die Klappe, anstatt Dich damit zu beschäftigen, wo die Touris sind, solltest Du Dich freuen, dass sie nicht da sind. Sind wohl zum größten Teil hot-spot Touris und das ist auch gut so. Was sie da anrichten, richten sie nicht hier an. Es war schon 13.00 Uhr durch und noch viel zu fahren. Ich machte mich auf den Weg. Unterwegs wurden immer mal wieder kleine Fotostopps eingelegt, aber irgendwann war ich müde. Zudem fing es, je weiter ich in den Westen kam, intensiver an zu regnen. Kurz vor der Unterkunft wurde noch mal getankt und dann ging es zum Gästehaus in Talknafjördur. Es gab ein kleines Einzelzimmer mit Waschbecken und großem Fernseher. Zwei große Duschen befanden sich auf dem Gang. Zudem gab es eine Gemeinschaftsküche und einen Aufenthaltsraum mit Fernseher, PC, Sofa und co. Sah alles bestens aus. Zunächst war ich allein im Haus. Aber dann, als es begann dunkel zu werden, kamen nacheinander noch 8 Personen, alles Amerikaner. Meinen Platz auf dem Sofa habe ich schnell geräumt, wollte einfach meine Ruhe haben und mit niemanden Konversation betreiben. Deswegen bin ich ja auf Island und nicht zu Hause. Zudem wollte ich gerade mein Tagebuch schreiben. Also ab auf’s Zimmer. Nachdem ich mir Brote auf dem Zimmer geschmiert hatte ging ich noch mal kurz in die Küche, um mir eine Gemüsebrühe zu machen. Noch ein paar Gedanken niedergeschrieben und die Speicherkarte gesichert, dann fielen mir die Augen zu. Es war 22.00 Uhr, aber an schlafen war noch nicht zu denken. Die Hütte war hellhörig wie eine Pappschachtel. Alle 10 Minuten ging jemand auf die Toilette, die genau neben meinem Zimmer lag. Nicht nur dass die Spülung so laut war, auch das Geschäft vorher war zu hören. Ich war schon dabei, nach Fallgeräusch das Gewicht der Hinterlassenschaften zu bemessen. Türen leise zu verschließen, müssen die zudem auch noch lernen ! Regardless ! Der Tag nahm einen entschieden falsches Ende. Aber irgendwann schlief ich doch ein, wachte aber regelmäßig wieder auf, weil das Toilettenlaufen auch nachts kein Finale fand. Schlafmittel in Form von Alkohol hatte ich nicht mitgenommen und wollte mir auch nichts kaufen. 10 Tage Abstinenz war der Vorsatz, verbunden mit einer Spardiät. „Du musst nur 2 Tage durchhalten, vielleicht sind die anderen ja morgen auch schon wieder weg“ warf mein anderes „ich“ ein. Du träumst, gute Nacht!