Westfjorde September 2017

  • "To clarify, yes .05 (‰ in blood) or .25 (mg/l breath) is the legal threshold but the spirit of the law is that you are not supposed to drive if you have had even just one glass of beer. The minimum penalty if you are caught with these minimum levels is ISK 70 000 and the drivers licence is suspended for 2 months."

  • Was für ein unglaublicher Tag in einem wunderbaren Urlaub. Kaum zu glauben: mitten im Nichts ein Seelenverwandter! Es sind diese zufälligen, ungeplanten Momente, Begegnungen, die man sich nur eine Sekunde vorher nicht mal vorstellen konnte, die fürs ganze Leben unvergessen bleiben. Kurz- aber intensiv.

    Für mich wäre ein Islandurlaub so ganz allein nicht vorstellbar. Zum Einen wegen der vielen ungeteilten Eindrücke, zum Anderen wegen der Unwägbarkeit der Straßen- und Wetterverhältnisse. Ich kenne auch die Reportage vom letzten Schäfer von Lokinhamrar, hab mich aber noch nie bis dort hin getraut, Respekt vor deinem Mut. Aber du hast gesehen: er wurde ganz besonders belohnt.

    Die „älteren“ unter uns kennen vielleicht noch den Werbespruch:“Wenn einem so viel Gutes widerfährt, dann ist das einen ….wert.“

    In diesem Sinne.





  • 9.Tag.



    Manche Männer leben offensichtlich noch im Mittelalter. Mann, englisch sprachig, Nation unbekannt, pisst nachts auf der Toilette im Gästehaus im Stehen und alle anderen Gäste müssen in die Urinspritzer rundherum latschen. Und die Wirtin darf es dann auch noch saubermachen. Widerlich ! Aber manche Köpfe sind dafür offensichtlich zu hohl! Wohl der selbe Mann blockiert morgens fast eine Dreiviertelstunde die einzige Dusche im Gästehaus und hört dabei Musik. Nicht dass er duscht – das hat nur 5 Minuten gedauert. Auch das anschließende Geschäft war nach, dem ertönten Spülvorgang zu urteilen, nicht mal so zeitaufwändig. Maniküre und deodorieren sowie rasieren und Zähne putzen rechtfertigt diesen Zeitaufwand auch nicht. Gefönt hat er sich auch nicht, das kann es also auch nicht sein. Vielleicht ist er bei der kleinen Nachtmusik noch einaml auf der Toilette eingeschlafen. Grr.... Ich habe auf  dem Sessel im Flur vor der Badezimmertür gewartet und somit jeden Versuch einer anderen Person im Keim erstickt, vor mir dranzukommen. Nicht genug des Ärgers, auch mein frisch eingegossenes Glas Orangensaft war, nachdem ich mir einen Kaffee aus dem Vollautomaten holen wollte, wie auf wundersame Weise verschwunden. Zurück am Kaffeeautomaten zeigte die Kontrollleute an: „Kaffeebohnen auffüllen“. Na toll, kein O-Saft, kein Kaffee !! Ein anderer Gast rief zwischenzeitlich schon die Vermieterin an, die dann auch gleich kam. Der Tag kann ja heiter werden. „Positiv denken“, kam mal wieder eine Nachricht von meinem anderen „Ich“. Ja, ok, ich bemühe mich ! Um 8.30 Uhr fuhr ich dann los, hatte mich mit Peter noch mal kurz in Bolungarvik verabredet. Im Tunnel zwischen Flateyri und Isafjördur gab es das nächste morgendliche Erlebnis, dass ich eigentlich nicht haben musste.



    Die Strecke ist zum größten Teil einspurig mit Haltebuchten für den Gegenverkehr der linken Spur, die aus Isafjördur kommt. Einige Touristen schienen das System aber noch nicht begriffen zu haben und fanden die Haltebuchten, die in regelmäßigen und kurzen Abständen vorhanden sind, nicht rechtzeitig. So musste ich immer wieder anhalten, damit diese Vollpfosten es bis zur  Ausweichstelle schafften. Ich war drauf und dran, denen bis vor die Stoßstange zu fahren, damit sie bis zur letzten Bucht Rückwärts zurückfahren müssen. Aber ich wollte ja ruhig bleiben, hab es dann auch schließlich geschafft. Am Leuchtturm von Isafjördur habe ich Peter getroffen und mit ihm noch kurz einen Tee getrunken und mich dann von ihm verabschiedet, wollte heute mal wieder allein sein, nicht reden und nicht zuhören müssen. Ich wollte meinen eigenen Gedanken nachgehen und einfach nur Eindrücke aufnehmen und fotografieren. Ich bin die alte Straße am Leuchtturm weitergefahren, die aber als Sackgasse ausgewiesen war, da es einige Felsstürze gegeben hatte. Auch ein Teil der Straße war in’s Meer abgerutscht. Nach etwa 3 Km wendete ich, obwohl es noch weiterging, wollte aber kein Risiko eingehen. Dann wurden noch die Fischerhütten von Ösvör fotografiert, bevor es auf den Berg nach Bolafjall ging. Dort oben empfing mich ein traumhaftes Licht  mit einer fantastischen Aussicht. Ich hab mich hier wohl eine halbe Stunde aufgehalten, fotografiert und einfach die Ruhe genossen. Bolafjall war schon mein Ziel im Juni 2014 gewesen. Da war die Strecke aber noch nicht vom Schnee geräumt und gesperrt. Nach Bolafjall führte mein Weg nach Skálavik. Dort auf dem Campingplatz angekommen, hörte ich einen lauten Pfiff. War ich gemeint, was hatte ich falsch gemacht ? Ich drehte mich um, sah aber niemanden. Ein paar Schritte weiter traf ich Peter noch einmal. Hätte ich mir denken können, dass er es war. Wir sind dann aber nur ein kurzes Stück zusammengegangen, haben ein paar Fotos gemacht. Ich habe mich erneut verabschiedet, wobei er meinte, dass wir uns wohl heute noch mehrfach über den Weg laufen werden. War das eine Drohung ? Ich dachte, ich hätte mich klar ausgedrückt, dass ich heute einen Tag zum sinnieren benötige. Ich setzte mich in mein Auto und bin in Richtung Súðavík gefahren. An der Straße gibt es an einer Stelle eine ganze Reihe alter Gebäude, - wohl alte Fischerhäuser und Viehställe – die in gelb und blau gestrichen ein pittoreskes Ambiente lieferten. Hier habe ich mich noch eine ganze Zeit aufgehalten, wobei immer noch ein tolles Licht herrschte. An dieser Stelle machte sich bei mir aber eine gewisse Müdigkeit breit. Ich hatte keine Lust mehr noch weiter wegzufahren und  Fotos zu machen, war einfach auch nicht mehr für weitere Eindrücke aufnahmefähig. Von meinem Gegenüber kamen auch keine wirklichen Argumente anders zu handeln. Es hätte auch die Gefahr mit sich gebracht Peter noch einmal über den Weg zu laufen. Ich fuhr dann nur noch direkt zu meinem Gästehaus, aß meine Brote und trank meine heute morgen in der Thermoskanne mitgenommene heiße Gemüsebrühe. Nach abspeichern der Fotodaten legte ich mich in’s Bett und schlief für eine Stunde ein. Um 19.15 Uhr wachte ich auf und sah kurz aus dem Fenster, wobei ich etwas rötliches am Himmel erblickt. Das war das Signal, noch einmal rauszugehen und den Sonnenuntergang im Fjord zu fotografieren. Ich nahm den Weg oberhalb des Ortes. Fantastische Himmelsfarben taten sich auf. Das war doch noch mal ein krönender Abschluss des Tages. Ein paar Panoramen und Einzelbilder und dann war die Sonne weg – das war knapp.

  • Bist du von Ísafjörður aus die Küstenstraße gefahren oder von Bolungarvik?

    mein Bruder und ich sind von Bolungarvik aus die Straße entlang gegangen bis zum Kreuz, und da konnte man mit etwas Geschick die Straße fahren. ich würde es nicht empfehlen weil es wirklich zwei Stellen gibt, wo die Straße zur Hälfte nicht mehr vorhanden ist, aber als wir da waren ist an uns auch ein Auto vorbei gefahren und nicht wieder zurück gekommen.


    und natürlich wieder wunderschöne Fotos. kaum vorstellbar das man eine Perosn immer wieder treffen kann in Island. Es ist doch nicht so groß, wie man es immer tut ;-) 






  • das kann ich nachvollziehen, ich wäre die Strecke auch nicht mit einem Auto gefahren, aber anscheinend ist es möglich. Der Hotelbesitzer hat uns dies auch gesagt. Aber naja man muss es ja nicht machen, man kann auch wunderbar dort entlangwandern!

  • Hier der letzte Teil meines Reiseberichtes. Ich hoffe, dass es einigen gefallen, evtl. auch den einen oder anderen inspiriert hat.


    Letzter Tag

    Letzte Nacht war ich allein im Gästehaus, sozusagen der Hausherr. Nach dem Aufstehen wurde erst mal alles gepackt und in’s Auto gebracht. Heute gehörte mir die Dusche allein, habe ich auch ausgekostet. Leider kam auch heute das Frühstück nicht vor 8.00 Uhr. Noch ein kurzer Plausch mit der Vermieterin und dann ging es los. Es war bedeckt, sozusagen Grau in Grau. Nur gelegentlich waren Strukturen zu erkennen. Ich hatte mir von der Vermieterin noch eine Stelle auf der Karte zeigen lassen, wo ich Seehunde an der Küste zu erwarten habe. Da steuerte ich zunächst drauf zu. Wie gehabt und schon auf Vatnsnes erlebt, die Küste war immer noch da, nur keine Seehunde. Na gut, dann eben beim nächstenmal. Aber dann an ganz anderer Stelle, aus den Augenwinkeln heraus sah ich etwas. Dachte zuerst an einen Stein in Seehundform, hatte auch die gleiche Farbe. Nein, tatsächlich ein Seehund. Vollbremsung und gehalten. Weil ich auf der falschen Straßenseite stand, habe ich den verdammten Fehler gemacht, die Tür aufzumachen und auszusteigen. „Was soll das denn jetzt, Du weißt doch dass das nicht funktioniert“, kam von meinem anderen „Ich“. Hast ja Recht...! Und schwupps, weg war er schon. Ich hab ihn noch zweimal auftauchen sehen, für ein Foto zu wenig! Hab es abgelegt unter: „war ohnehin zu schlechtes Licht“. Kurz darauf kam ich in einen regionalen Schafabtrieb. Das passt! Erst lief eine schon zusammengetriebene Herde auf der Straße an der Leitplanke lang. Die Treiber machten uns vorher darauf aufmerksam und deuteten auf Vorsicht hin. Ein paar Fotos aus dem in Schritttempo fahrenden Auto heraus, das war es zunächst. Dann aber ein Stückchen weiter erwartete mich ein dramatische Situation, die sich so nicht abzeichnete. Zwei Schafe standen auf einem Fels direkt am Ufer im Fjord. Die Treiber versuchten sie zum Sprung an Land zu bewegen. Die Tiere gingen aber in’s Wasser. Saudumme Schafe ! Die Treiber legten sich auf die Felsen und griffen sich die Schafe, konnten sie aber aus dieser Position nicht aus eigener Kraft an Land ziehen! Die Treiber waren offensichtlich genauso dumm wie die Schafe. Anstatt selbst einen Schritt in das nur maximal wadentiefe Wasser zu machen, hingen jetzt zwei Schafe und zwei Treiber zusammengeklettet am Felsen. Die Hofherrin, die von der Straße aus lautstark und vergeblich Anweisungen gab, setzte sich dann in Ihr Auto und wird wohl Hilfe geholt haben, - ich hoffe nicht den Schlachter für alle vier! Ich habe mit meinem 400er Tele noch einige Fotos von der Situation gemacht, aber die Rettungsversuche dann nicht weiter verfolgt. "Geh doch hin und zeige denen doch wie es geht". Ja, der Gedanke kam mir auch, aber ich wollte die beiden nicht bloß stellen und eine Gefahr bestand ja nicht wirklich. Die Schafe standen ja nicht mal bis zu den Knien im Wasser. Ein kleinwenig amüsiert habe ich mich schon über die Schusseligkeit, oder soll ich sagen der Dummheit der Treiber.

     Im Laufe der Weiterfahrt fing es dann an zu regnen und hörte lange Zeit nicht auf. Erst kurz vor Borganes wurde es trocken mit wiederum traumhaften Lichtsituationen. Pferde auf der Weide, wobei das Gras intensiv im Sonnenlicht leuchtete, der Himmel im Hintergrund einen schwarzblauen Ton annahm. Einfach fantastisch ! Kurz darauf fiel mir ein verlassener Hof mit diversen Gebäuden auf. Auch an dieser Stelle fielen Sonnenstrahlen durch eine dunkelblaue Wolkenwand und gaben eines tolles Szenario ab. Ein weiterer alter, zerfallener Hof mit rotem Dach war das nächste Motiv, das auf dem Weg lag und mitgenommen werden wollte. Dann fing es wieder an zu regenen und der Himmel wurde durchgehend grau. Der Gedanke, noch kurz nach Akranes zu fahren, wurde von meinem anderen „Ich“ rigoros gecancelt, da es einen möglichen Sonnenuntergang beim alten Leuchtturm von Garður  favorisiert hatte. Des lieben Friedens willen ging es zum Schluss nach Garður. Und wo war jetzt der Sonnenuntergang ? Tristes Grau empfing mich. Ein paar Fotos, als der Himmel etwas mehr Struktur zeigte, waren der Abschluss des Tages. Dann machte ich mich auf den Weg das Auto abzugeben. Europecar hatte aber um 20.00 Uhr schon zu. Diese Tatsache wurde einem bislang auch nicht mitgeteilt. Der Schlüssel sollte in eine Box eingeworfen werden. Keine Kontrolle des Autos. Nicht gut ! Soviele Fotos vom Auto kann ich gar nicht machen, um sämtliche Ecken zu dokumentieren, um die Unversehrtheit zu dokumentieren. Was sollte ich machen, wird schon gutgehen, hatte in 8 Jahren bisher nicht einmal Probleme bei der Autorückgabe. Als Konsequenz musste ich im Regen mit 36 Kilogramm Gepäck den, zwar nur kurzen, aber sehr nassen Weg zum Flughafen zurücklegen und nicht wie gewohnt mit dem Shuttlebus. Im Flughafen habe ich mir nach dem einchecken und der Sicherheitskontrolle erst einmal zwei Flaschen Bier geholt. Eigentlich wollte ich im Urlaub keinen Alkohol trinken, hatte aber ja mit Peter schon gesündigt. Was soll's ! Ich setzte mich an einen Tisch, holte meinen Laptop aus der Tasche und schrieb mein Tagebuch. Nach einiger Zeit setzte sich eine Frau an den Nachbartisch. Da ich eine Schreibpause brauchte, sprach ich die Dame an. Ich fragte sie, ob sie das erste mal auf Island war. Sie antwortete: "Nein, seit 36 Jahren". Wir kamen sofort in's Gespräch. Hanný erzählte mir, dass sie einen Reiterhof auf Vatnsnes besitzen, dazu eine Eiderentenkolonie. Vatnsnes ?, sagte ich und sprach von meinen Misserfolgen der Seehundbeobachtung auf der Halbinsel. Hanný lud mich ein, doch in meinem nächsten Urlaub auf den Hof zu kommen, da dort immer Seehunde zu sehen wären. Leider ist das nächste Jahr schon mit dem südwestlichen Hochland verplant, aber ich werde sicher 2019 das Angebot annehmen. Wir tauschten unsere Visitenkarten aus und verabschiedeten uns. Pünktlich um 0.45 Uhr startete der Flug Richtung Heimat.

    Island 2017, - es war wieder eine fantastische Zeit, erholsam, interessant, mit tollem, abwechsungsreichem Wetter und wunderschönen Eindrücken. Ein Land, dessen Impressionen ich mental und fotografisch aufnehme. Impressionen, die Ewigkeiten nachwirken und die süchtig machen.

     

     





  • Schafe, die abhauen wollen, haben eine unglaubliche Kraft. Ich glaube nicht, dass die Treiber im Grangel mit renitenten Schafen eine Chance haben, auf glitschigen Steinen auf den Beinen zu bleiben und nicht komplett im Wasser zu landen.

    Doris, ist das eine Vermutung oder Wissen ? Die Schafe sahen nicht so aus, als wenn sie weiter in's tiefe Wasser flüchten wolten. Ein Schritt der Treiber in's Wasser, dem Schaf unter die Beine und am Hals gepackt und gut wär's ! Die Treiber wollten sich einfach nicht nass machen ! Ich bin auf einem Hof mit Schafen groß geworden.