Abenteuer im Hochland und in den Westfjorden

  • Hallo,

    da ich durch das Forum so viele Tipps bekommen habe, wollte ich mich auch endlich mal revanchieren und zwar in Form eines Reiseberichtes. Ich hoffe er wird euch gefallen und ich hoffe für mich, dass ich ihn auch fleißig weiter schreibe und nicht in Arbeit und Alltagsstress versinke.

    2015 war ich bereits einmal in Island und habe den klassischen Umrundungstrip gemacht. Nun zwei Jahre später wollten wir (mein Bruder und ich) alles das machen, was damals liegen geblieben ist. Die ersten vier Tage begleitet uns unsere Mutter noch, dann fliegt sie wieder zurück (um drei Tage später nach Spanien zu fliegen!)


    Kurz die Route im groben: Golden Circle, die Südküste, dann ab ins Hochland und dann in den Norden und Osten, dort noch mehr Hochland. Dann Kehrtwende und ab in die Westfjorde und von da, mit einen Abstecher auf den Gletscher, wieder zurück. Gefahren sind wir glaube ich zwischen 3000 und 4000 km. Tankrechnung von knapp 500€. Allgemein zu den Kosten, das Auto hat uns mit allen Versicherungen schlappe 3000€ gekostet (so viel hat uns damals insgesamt die Reise gekostet :huh:) aber man gönnt sich ja sonst nichts (unser Leitspruch in diesem Urlaub). Die Unterkünfte haben uns dann insgesamt nochmal 2600€ gekostet. Wobei die 600€ schon alleine für das Fosshotel Nupar raufgehen und da waren wir zu dritt. Dazu kommen nochmal 250€ pro Person für Gletschertour und Into the Glacier. Den Flugpreis habe ich nicht mehr im Kopf, aber das ist der geringste Posten.

    Ich versuche natürlich auch Fotos reinzustellen, muss aber noch gucken wie das funktioniert. Darüber hinaus sage ich gleich mal vorweg, alle Fotos habe ich nur mit meinem Handy gemacht. Wir besitzen keine Kamera und haben auch keine Ahnung wie man überhaupt gut fotografiert, also erwartet von den Fotos nicht so viel Hinzu kommt dass meine Kamera noch einen Fehler hat. Wir können ja ein lustiges Suchspiel daraus machen a la findet den Fehler im Bild ;)

    Soweit erstmal als Info. Ich hoffe euch gefällt unsere Reise. GoIceland

    PS: Dativ und Akkusativ sind nicht meins, ich bitte schon einmal vorab um Entschuldigung für meine Rechtschreibung. Sunflower--Smiley

  • 15. 8.2017


    1. Tag


    Nun war der Tag also da, es sollte nach Island gehen. In sommerlichen Temperaturen fuhren wir zum Flughafen in Hamburg. Wir, das waren neben meiner Persönlichkeit (27 Jahre alt) auch noch mein jüngerer Bruder (21 Jahre) und meine Mutter, die uns die ersten vier Tage begleitet um dann wieder zurück nach Deutschland zu fliegen.

    Ich selber war einerseits freudig erregt anderseits aber leicht panisch, da ich leider an einer leichten Flugangst leide. Aber zu meiner großen Freude war der Flug ruhig und ich konnte mich mit einem grottenschlechten Kong Film vom Fliegen ablenken. Nur beim Starten benötigte ich die soziale Unterstützung von meinen Bruder, der meine Flugangst bereits zu genügen kannte und wusste was er zu tun hatte.

    Island empfing uns mit grauen Wetter und leichtem Nieselregen. Also erst einmal die Mütze auf den Kopf. Nachdem wir die Koffer geholt hatten, guckten wir gespannt, ob uns wirklich jemand von der Firma Icerental 4x4 abholen würde. Nach kurzen Suchen fanden wir dann auch zueinander. Vor zwei Jahren war die Mietwagenfirma direkt neben den Flughafen nun mussten wir aber etwas weiter fahren und statt einen seriös wirkenden Laden standen wir nach 10 Minuten in einen Viertel umringt von schäbigen Lagerhallen. Ok, dachte ich mir, das wird schon irgendwie gut gehen. Drinnen erwartete uns ein freundlicher Herr der uns gleich erklärt, dass der teuer gebuchte Toyota Landcruiser nicht zur Verfügung stand. Ok dachte ich mir, das wird schon irgendwie. Angeblich war der Toyota heute Morgen erst geschrottet worden, als Alternative könnte er uns einen alten Nissan Patrol anbieten. Ich nickte, hatte aber im Grunde keine Ahnung was das für ein Auto war. Etwas ungläubig blickte der Mann mich an, als er erkannte, dass ich die Fahrerin war. Und er fragte zweimal meinen Bruder, ob er nicht auch Fahrer sein wollte, er würde uns auch ein gutes Angebot machen. Als wir das Angebot ablehnten blickte er mich noch einmal unsicher an. Ich konnte diese Unsicherheit zunächst nicht verstehen, später wurde mir aber klar warum. Nämlich dann als ich das Auto sah!


    Nach außen hin wirkte ich total ruhig, aber ein Teil von mir verfiel in Panik, ein weiterer Teil lachte bereits auf und wiederum ein weiterer Teil wollte sofort umdrehen und nach Hause fliegen. Vor mir stand kein Auto sondern ein gefühlter Truppentransporter! Ok sagte ein Teil von mir hätten wir schon einmal einen Namen für das Ding gefunden: Truppi. Wären uns der gute Mann in Schnelldurchlauf erklärte wie das Auto funktionierte, versuchte ich mir innerlich Mut zuzusprechen, komm du schaffst das, es hat bereits einen Namen, du magst Autos mit Namen, in zwei Tagen wirst du dich an das Auto gewöhnt haben ect. Nach der Einführung gab es noch zwei, drei Bemerkungen von Vermieter, beim Anlassen des Autos machte es komische Geräusche, er wüsste nicht genau was es ist (vielleicht das Luftventil zu Ansaugen) aber wir sollten uns davon nicht stören lassen, dann die Türen, wir sollten ruhig festzuschlagen, sonst gehen die Türen, besonders die Kofferraumtür nicht zu (in den nächsten 14 Tage sollte die Tür nicht einmal wirklich zu sein) und zum Schluss sollten wir das Auto immer weit weg von den Pferden parken, denn Pferde hassen dieses Auto! Er weiß auch nicht warum, aber so war es nun.

    Nachdem unsere Mutter einen Lachanfall bekommen hatte, nachdem sie das Auto gesehen hatte, konnte es auch schon losgehen. Ich versuchte Truppi anzulassen (ich wurde von einen hohen Pfeifen begrüßt, was uns immer begrüßen würden sobald wir Truppi starteten) und fuhr die ersten Meter. Er war unglaublich schwerfällig, ich hatte das Gefühl nicht einmal ansatzweise los zu kommen, geschweige denn dieses Ding wirklich zu kontrollieren. Sogleich erinnerte ich mich an den Roman „Liebe Isländer“ und konnte plötzlich den Protagonisten vollkommen verstehen, als er damals zum ersten Mal mit seinem Auto gefahren ist. Unsicher, leicht panisch und ängstlich steuerten wir unseren ersten Punkt an: Miðlína. Im leichten Nieselregen schritten wir über die Kontinente. Nach dem zögerlichen ausparken und den aufbauenden Worten von meiner Mutter: du wirst dich ganz schnell an das Auto gewöhnen, ging es weiter. Zum Vulkan Gunnuhver. Dort machten wir ein Foto von Truppi mit den anderen Autos und amüsierten uns über die Größenunterschiede. Spaß hatten wir also und innerlich sagte ein Teil, spätestes übermorgen wirst du das Auto lieben, ein anderer Teil antwortete darauf: kann es nicht schon übermorgen sein?


    (Brücke zwischen den Kontinenten)




    (ganz rechts unser Truppi!)




    Auch den Vulkan besuchten wir nur kurz und fuhren dann weiter. Plötzlich riss die Wolkendecke auf und wir fanden einen Rastplatz direkt am Meer mit Aussichtsplattform. Dort waren wir das erste Mal alleine und dort hatten wir das Gefühl Island würde uns nun ganz offiziell begrüßen, mit den Meeresrauschen und den warmen Sonnenstrahlen. Ich beruhigte mich langsam und kam an.

    Danach ging es zum Geothermalgebiet Seltún. Dort zeigte sich, dass unsere Mutter den Schwefelgeruch nicht so gerne mochte und versuchte auf den Rundweg den Dampfwolken auszuweichen. Ich blickte mich um und war sogleich fasziniert von den Farben.




    (Seltun und Ausblick)


    Aber der Nieselregen setzte wieder ein und so entschließen wir uns zu unserer Übernachtungsunterkunft zu fahren; zum Campingplatz in Selfoss, wo wir uns in einer der Hüttchen einquartiert hatten. Dort angekommen ernteten wir Blicke für das Auto, etwas woran wir uns noch gewöhnen würden. Der Campingwart empfang uns minder freundlich. In seinen Augen war eindeutig zu sehen, dass er bereits schon zu viele Touristen in seinen Leben begrüßt hatte. Aber ok, was haben wir erwartet? Das Hüttchen versprühte sogleich den Charme einer Jugendherberge, drei Betten, wobei das eine an der Wand über dem anderen Bett hing. Da mein Bruder es mit der Hüfte hatte, meine Mutter bereits etwas älter war, blieb mir die Ehre dieses schwebende Bett mein Heim nennen dürfen. Hoffentlich krache ich nicht in der Nacht auf meinen Bruder, schoss es mir durch den Kopf.

    Doch bevor wir uns zur Ruhe betteten, mussten erst noch unsere Mägen beruhigt werden. Und so gingen wir auf Futtersuche. Natürlich wusste ich, wenn man in Selfoss ist musste man in Kaffi Krus gehen. Leider war dies aber so voll (Leute standen bereits auf der Treppe an), das wir uns neuorientieren mussten. Also ging es ins Beef und Turf, ein Burgerladen, den man nur empfehlen kann! Dort fragten wir unsere Mutter wie sie Island bis jetzt empfand: „Wenn ich alleine hier reisen würde, würde ich weinen. Das ganze Land sagt einen doch, dass es Menschen nicht will.“

    Mit diesem Kommentar endete der erste Tag für uns.

  • Dein Bericht fängt ja schon toll an. "Truppi" klasse. Hoffe es geht bis zum Schluss gut mit euch beiden. Auf jeden Fall hat der mehr Bodenfreiheit als der Standard Vollautomatik Landcruiser.


    Da freue ich mich schon auf die Fortsetzung.

  • Super und sehr locker beschrieben die "Kontaktaufnahme" mit Truppi daumenhoch. Das weckt die Erinnerung an die Übernahme unser "Ramme" vor etwas mehr als einem Jahr (wobei wir das vorher gebuchte erhalten hatten).


    Ich vermute, als es durchs Hochland ging, war Truppi Gold wert.


    Genialer Anfang für Deinen Bericht, freue mich schon auf die Fortsetzung.


    Grüße

    Tadi



  • danke, für euren lieben Kommentare! Ich hatte etwas Sorge das euch nicht gefällt. Ich hoffe ich kann eure Erwartungen auch zukünfig erfüllen.


    Ich lege gleich mal mit den zweiten Tag nach. Der dritte Tag folgt dann wohl nächsten Samstag.

  • 16. 8.2017


    2. Tag


    Island begrüßt uns mit blauen Himmel und Sonnenschein. Kurz entschlossen entscheidet mein Bruder, dass wir heute noch Gullfoss und Geysir anfahren. Ich gucke ihn etwas skeptisch an, ob er weiß was das bedeutet? Unser Ziel ist heute das Hotel Nupar, was hinter Kirkjubæjarklaustur liegt. Aber gut, denke ich, er wird schon wissen, was er da vorstellt (wie sich am Abend herausstellt hatte er keine Ahnung mehr das Kirkjubæjarklaustur so weit weg lag….). Da uns das Frühstück zu teuer ist, starten wir Truppi. Spätestens jetzt sind die Leute um uns herum wach, denn Truppi pfeift ganz wunderbar. Irritierende Blicke um uns herum, wir lächeln zurück. Wir hätten uns ein Schild basteln sollen, auf dem steht dieses Geräusch ist völlig normal, nein unser Auto explodiert nicht gleich. Auf geht es in einen langen Tag.

    Doch zunächst weisen wir unsere Mutter in unser Spiel von „Hund sitzt“ ein, statt nach Hunden zu gucken, suchen wir die Happy Campers Autos und wenn einer einen erblicken rufen wir entzückt „Happy Campers!“ und grinsen dabei.

    Dann stürmen wir den Bäcker im Ort. Wir kaufen bei einer überforderten nicht English fähigen älteren Dame belegte Bagels und Gebäckstücke (außen braun, mit Schokoglasur und innen gelblich und nach Zitrone schmeckend, ihr wisst bestimmt wie das heißt). Dann decken wir uns noch mit Lebensmittel (Hraun!!!! Und Buff was nur ich esse!) ein und natürlich kaufen wir einen Campingkocher, für die Zeit wenn unsere Mutter weg ist. Davor wird sie noch das Essen zahlen („Ich esse doch nicht von einen Campingkocher!“). Mit bestem Wetter geht es auf zum Gullfoss, wir fragen erneut unsere Mutter was sie nun von Island hält, ob es immer noch hässlich ist? „Nein, hier ist es wunderschön.“.

    So fährt es sich gleich besser. Am Geysir ist schon deutlich was los. Noch sagt meine Mutter: „Aber im Gegensatz zu Neuschwanstein, ist das hier noch gar nichts!“. Am Ende des Tages hat sich ihre Einstellung bereits geändert „Die Regierung muss diese Touristenzahlen kontrollieren, sonst wird hier noch alles zerstört.“ So schnell gewöhnt man sich an Einsamkeit ;)

    Aber zurück zum Geysir. Wir machen den kleinen Rundweg, sofort verliebe ich mich erneut in dieses blaue Wasser, intensiv und so ganz anders als die Farbe unseres Wassers. Wir beobachten den Strokkur wie er zweimal ausbricht, amüsieren uns über einen Asiaten der versucht seine Drohne zu kontrollieren und haben schon Angst oder Erwartungslust, dass er das Ding in das heiße Wasser fliegt. Wie es ausgeht, wissen wir nicht, denn wir wollen weiter. Aber zuvor krame ich eine CD aus meiner Tasche, meine Mutter macht große Augen aber ich kann sie beruhigen, auf der CD ist keine Metall Musik sondern Herr der Ringe und Two Steps from Hell, epische Lieder für ein fantastisches Land, so fährt man gerne!


    (dieses Blau!)


    Am Gullfoss angekommen, genießen wir den Anblick. Dann heißt es hin zum Wasserfall und staunen. Auch unsere Mutter ist hin und weg von dem ganzen Wasser und Rauschen. Noch einmal die Treppe nach oben und zurück gucken. Und dann natürlich, das erste Mal den Gletscher sehen, am Horizont schimmert es weiß. Das Auge kann es kaum glauben, das Handy nicht erfassen. Ein Tor zu einer anderen Welt, denke ich mir.





    Das nächste Ziel ist der Seljalandsfoss. Die Autos parken bereits auf der Straße, wir sind brav und nehmen den Parkplatz und zahlen noch viel braver die Parkgebühr. Kurz frage ich mich ob überhaupt kontrolliert wird. Vorsorglich bekleiden wir uns mit Regenjagen. Und dann auf, auf zum Wasser. Auch hier ist einiges was los. Mühsam umrunden oder durchlaufen wir den Wasserfall. Ich liebe ja Touristen die auf einen schmalen Weg anhalten um ein Foto zu machen und dabei vergessen, dass die Leute hinter ihnen stehen bleiben müssen und sogleich Bekanntschaft mit der Gischt schließen müssen…. Aber ok, man besucht diesen Wasserfall nicht im Glauben das man wieder trocken davon kommt. Natürlich wird der Nachbarwasserfall nicht vergessen. Wir erzählen unserer Mutter nicht, dass man durch den Fluss von Stein zu Stein hopsen muss um zum Wasserfall zu kommen. Sie bemerkt unsere Falle erst als sie schon mitten drin ist. Wir amüsieren uns ein wenig und beobachten gebannt ob sie es schafft. Nach erfolgreicher Hopserei bestaunen wir auch diesen Wasserfall. Der Rückweg gestaltet sich als etwas schwierig, da uns ständig Leute entgehen kommen, aber irgendwann kommen auch wir raus.


    (Mein Bruder versucht sich zu tarnen)


    Nächstes Ziel Skodafoss. Auch hier viele Leute, aber wir finden noch ein Plätzchen für Truppi (mittlerweile klappt das Einparken ohne Probleme). Zum Wasserfall, heute leider ohne Regenbogen, aber man will ja nicht kleinlich sein. Während Bruder und Mutter noch die Treppe nach oben erklimmen möchten, scheue ich mich vor den Höhenmeter und setze mich auf eine Bank und beobachte die Leute um mich herum.


    (Er wirkt beinahe bedrohlich)



    Als sie schließlich wieder unten sind, stellen wir fest, dass ein Reisebus uns eingeparkt hat. Ok, dann essen wir eben Mittag. Und danach ist auch der Weg wieder frei. Unser letztes Ziel ist Reynisdrangar und der Strand Reynisfjara. Auf den Weg dahin wird natürlich der Gletscher bestaunt. War er vor zwei Jahren auch schon so groß? Schießt es mir durch den Kopf wohlwissen das der Vatnajökull noch vor uns ist. Das letzte Stück der Straße zum Strand ist eine Baustelle und wie in Island üblich müssen wir drüber fahren. Kurz erhebt der deutsche Anteil in mir Einspruch, aber er muss sich geschlagen geben. Der Bauarbeiter winkt uns durch. Wir fahren zum Parkplatz, der mehr als voll ist. Gerade so bekommen wir noch eine Lücke. Mein Bruder und ich sind erschlagen. Vor zwei Jahren waren wir hier noch fast alleine und jetzt? Ein Teil von mir wird traurig, ein anderer wüten auf diese Touristenmassen und der dritte Teil gibt zu bedenken das wir auch Touristen sind. Also steigen wir aus, gucken uns kurz das Warnschild an, auch wenn ich den Hintergrund des Schildes weißt, müssen wir doch etwas über das Schild lachen. Das Wort Deadly Sneaker Waves ist einfach zu putzig und wirkt an diesen so friedlichen Tag absurd, so unwirklich das wir einfach nicht anders können als zu lächeln (jedes Mal wenn wir nun das Meer sehen, müssen wir nun an deadly sneaker waves denken.). Der Strand ist voll, überall Leute. Eigentlich liebe ich diesen Strand, nicht wegen den Basaltsäulen, nicht wegen der Höhle, nicht wegen den Trollen oder den schwarzen Sand sondern wegen der Steinwand. Wenn ich sie erblicke stelle ich mir immer vor, dass es keine Steinwand wäre, sondern die Haut eines schlafenden Drachen!

    Wir wandern etwas entlang, ich setze mich und lausche dem Rauschen vom Meer, was an der Steinwand noch einmal wiederhallt. Um mich herum suchen die Leute nach den Papageientauchern, einige wenige dieser kleinen Vögel gibt es hier noch. Nach einer halben Stunde wollen mein Bruder und meine Mutter weiter. Ich erhebe mich langsam und auch etwas traurig, ich wäre gerne noch hier geblieben, der Ort wirkt auf mich absolut beruhigend. Beim Gehen sehe ich noch Kinder, die die „Klaue“ des Drachen einfach empor klettern, die Eltern geraten kurz in Panik und ich stelle mir vor wie der Drache erwacht und einfach alle auffrisst. Ok, nein… lieber soll er weiterschlafen, vielleicht bemerkt er uns einfach nicht.


    (Das Warnschild)



    (voll ist es geworden)



    (schlafender Drache)


    Es bewölkt sich etwas, aber das Wetter ist immer noch schön. Unser Ziel ist das Hotel Nupar, ein Hotel was verdammt teuer ist, mitten im Nirgendwo liegt und eigentlich nur aus Baucontainer besteht. Meine Mutter muss lachen als sie es sieht „Die Idee ist so genial, einfach Container zusammenstellen und man macht so viel Geld.“. Ich hätte dieses Hotel ja nicht ausgewählt, aber etwas anderes war nicht mehr frei. Beim Einchecken bangen und hoffen wir, das unser Zimmerfenster Richtung Gletscher zeigt und nicht Richtung Parkplatz. Nach wenigen Schritten wird klar, wir haben Glück Blick auf den Vatnajökull, der heute sich schüchtern gibt und sich hinter Wolken verbirgt. Wir setzen uns auf die Terrasse die jedes Zimmer hat und bestaunen die Wolkenpracht und die Stille. Es ist… ach ich kann es nicht Worte fassen. Wir brauchen keinen Fernseher, wir haben den Ausblick. Gut Internet wäre schön gewesen, aber das gab es auch nicht, zu viele Leute, zu wenig Kapazität. Es sollte das einzige Mal auf Island bleiben, dass wir kein Wlan hatten. Tja es ist eindeutig: man bezahlt für den Blick und nicht für die Ausstattung. Wir essen noch im Restaurant, das Essen ist gut aber auch etwas teuer, aber ich muss ja nicht zahlen. Meine Mutter überlegt noch kurz ob sie ein Glas Wein bestellt, nimmt aber dann doch eine Cola nachdem sie den Preis sieht. Während des Essens beobachten wir noch eine asiatische Familie neben uns, Vater, Sohn und Tochter starren auf ihr Handy. Kurz habe ich Mitleid mit der Mutter, aber kaum habe ich das gedacht holt auch sie ihr Handy raus und vertieft sich in die virtuelle Welt. Schon etwas seltsam, denke ich. Aber ich schließe sogleich Frieden mit dieser Familie als sie ihr Essen sehen. Völlig vergnügt essen sie die Sahnenudeln, die wirklich sehr lecker schmecken. Mein Bruder hingehen beobachtet ein Pärchen am anderem Tisch die kein Wort miteinander reden und uns einige Blicke zuwerfen, als mein Bruder und meine Mutter darüber diskutieren wann man den Genetiv verwendet (eine Diskussion die leider außerhalb meines grammatikalisches Wissen liegt). Nach dem Essen heißt es aber dann ab ins Bett!

    So geht ein ereignisreicher Tag beinahe zu Ende. Denn kaum ist die Sonne untergegangen, zeigt sich am Himmel ein leicht grünlicher Nebel. Ich wecke meine Mutter die bereits eingeschlafen war. Polarlichter ganz schwach, aber man kann das Band erkennen. Island meint es wirklich gut mit uns.



    (Wer kann ihn erkennen?)




  • Zitat

    Dort fragten wir unsere Mutter wie sie Island bis jetzt empfand: „Wenn ich alleine hier reisen würde, würde ich weinen. Das ganze Land sagt einen doch, dass es Menschen nicht will.“


    Mit diesem Kommentar endete der erste Tag für uns.


    Schön das Deine Mutter so ein feines Gespür für Islands ursprüngliche Natur hat.


    Sehr schön geschrieben, ich freue mich sehr auf die Fortsetzung.



  • 17.8.17


    3. Tag


    Die Nacht war angenehm ruhig. Und der Tag begrüßte uns wieder mit Sonnenschein und ein paar Wolken. Aber endlich konnten wir den Gletscher sehen! Meine Mutter war ganz fasziniert und auch ich bin es. Ich kann mich einfach an diesen Anblick nicht gewöhnen, er wirkt immer irgendwie entrückt von dieser Welt. Nach einen ausgiebigen Frühstück (lecker Brot aber Finger weg von Rührei) haben wir heute nur eine Mission: Gletscher! Also auf zum Nationalpark.

    Nachdem wir gerade so einen Parkplatz gefunden hatten, stellten wir fest auch hier muss man zahlen. Ok, also hin zum Center und dort feststellen das wir das Kennzeichen benötigen, also zurück zu Truppi, dann zweiter Anlauf. Viele Leute vor uns wirkten mit dem System überfordert. Aber dann waren wir an der Reihe, tippten das Kennzeichen ein und schon wusste der PC das wir einen Nissan Patrol fuhren, mein Bruder und ich rätselten wie, dieses System das wisse konnte. Zurückgriff auf die Zulassungsbehörde, wurden wir gefilmt und es wurde automatisch eingetragen? Ein Rätsel. Wir stellten fest warum die Leute verzweifelt waren, beim Bezahlen mit der Karte musste man noch einmal extra den Button anklicken, das haben wir auch erst nach einer halben Minute gecheckt. Geschafft haben wir es trotzdem, aber ein Parkticket bekommt man nicht, also doch ein online System?


    Nachdem wir dies also erledigt hatte, ging es darum unsere Mutter die nächsten 5-6 Stunden zu beschäftigen. Der Plan war simpel, Reiseführer in die Hand gedrückt und gesagt da geht der Wanderweg los. Ok, nein wir haben es ihr auf der großen Karte noch einmal erklärt, welchen Weg wir damals gegangen sind (den ganz großen) und was sie gehen könnte. Etwas ängstlich machte sie sich dann auf den Weg. Wir hingegen suchten unsere Gletschertour Firma. Seit damals hatten wir uns vorgenommen, wenn wir wieder kommen dann aber nur mit Gletschertour und so war es nun. Im Vorfeld hatte mein Bruder noch überlegt die Tour zu machen, in der man den höchsten Gipfel erklimmt, also diese zwei Tagestour, aber falsche Jahreszeit und das Problem mit der Hüfte brachten ihm zum Umdenken. Und so wurde es die 5 Stunden Tour. In mir war der typische Zwiespalt, juhu endlich Gletscher, blaues Eis! 5 Stunden auf dem Eis, 10 Kilometer und Höhenmeter, denkt doch nur an die Höhenmeter, darin warst du nie gut! Denkst du wirklich, dass du das schaffst? Was passiert wenn du nicht mehr kannst? Einfach zurücklaufen ist nicht!

    Aber zunächst wurden eingekleidet mit Hosen (die wir extra bestellt hatten) und Wanderschuhe und dazu ein Metallgeschirr was wir später auf dem Eis um unsere Schuhe binden mussten, sowie Helm und Spitzhacke Wir waren zu 16, ganz schön groß wie ich dachte, aber schieben wir diese First-World Problems mal zur Seite. Rein in den Bus und los ging es, ich war gespannt welche Gletscherzunge es sein würde. Anscheinend ist es so, dass die Firmen sich die Zungen unter sich aufteilen. Unsere Gletschertourfirma hatte die Zunge…. Ja ich und Namen, ich weiß nur das unser Guide sagte: denkt an Fat-Jogurt.

    Wir kamen also an und wir wurden in zwei Gruppen eingeteilt mit der einfachen Frage England oder Neuseeland, ich entschied für letztes und wir bekamen einen männlichen Guide. Unsere Gruppe bestand aus einen Paar aus Österreich, ein Paar aus Kanada und ein Paar aus den USA. Nachdem jeder sich vorgestellt und verraten hat was er zum Frühstück gegessen hatte (bei mir gab es Waffeln!), gingen wir als erste Gruppe los. Er zeigte uns auf den Weg wieweit wir klettern würden, mir wurde etwas mulmig zu mute, das sah nach einigen Höhenmetern aus!


    (die Gletscherzunge)


    Wir überquerten den Fluss, auf Brücken die eine deutsche Sicherheitsprüfung nie überlebt hätten. Schon beim Gehen merkten wir, dass wir uns viel zu warm angezogen hatten, also nachdem wir den Rand des Eisens erreicht hatten und unsere Schuhe präparierten, entkleideten wir uns ein wenig. Kurz noch ein paar Sicherheitshinweise wie wir mit den Schuhen zu gehen hätten, besonders wenn es runter geht („Wie ein betrunkener Cowboy!“) und die Aufforderung das wir nicht wegrennen sollte, wenn es unter uns knacken würde („Vertraut mir einfach!“). Zur Tour sagte er, dass sie bis zu einen bestimmten Punkt immer denselben Weg gehen und danach wird improvisiert! Und dann ging es rauf. Was soll ich sagen, es war einfach nur fantastisch, durch diesen Eis zu wandern, teilweise zu klettern, ich kann es nicht beschreiben! Auch meine Angst, das es nicht schaffen könnte war unbekümmert, denn der Guide legte immer dann genau eine Pause ein, wenn ich dachte ach jetzt wäre es schön. Teilweise mussten wir auch warten, weil er mit seiner Riesenspitzhacke erst einmal ein paar Stufen für uns in das Eis schlagen musste. Es ist wirklich ganz bizarr dort oben zu sein, unter dir knackte es manchmal und du hörst oft so ein dumpfes fließendes Geräusch, bis dir klar wird, dass ist das Schmelzwasser was unter deinen Füßen entlang rauscht. Wir kletterten also immer höher, sahen eine andere Gruppe (die 3 Stunden Tour, die keine Helme und Eispickel so wir bekamen) und eine Gruppe die eine kleine Eiswand hochkletterten.

    Irgendwann waren mein Bruder und ich vorne und unser Guide fragte, ich glaube wir könnten noch weiter hoch, schafft ihr das? Mein Bruder sofort: klar. Das kam dem Guide ganz recht („Ok, wenn sich jmd beschwert, ist Hendrik einfach Schuld.“) und so gingen wir noch weiter hoch. Für die gesamte Tour entschied ich mich dafür den Guide absolut blind zu vertrauen, wie ein dummes Schaaf. Denn wenn man erst einmal damit anfängt zu überlegen, würde man sich wohl keinen Zentimeter mehr weiter trauen. Und dann kamen wir an die Stelle, wo der Guide sagte, ok ab hier würde ich nicht mehr weiter gehen, das wird zu gefährlich. Da Eisbrocken über uns einfach abbrechen könnten. Aber wir waren weit oben meinte er, mit keiner anderen Gruppe sei er so hoch gewesen. Wir waren 480 m, gestartet sind wir auf ungefähr 80 m, also ganze 400 Höhenmeter geschafft. Unsere Schwestergruppe entdeckten wir irgendwo unter uns.




    (es wird noch schnell eine Treppe gebaut!)





    (Der Ausblick)



    (Schwarze, grün, weiß und blau zusammen)


    Teil 2 folgt... zu viele Zeichen im Beitrag sagt das Forum, also dann eben in zwei Beiträgen!

  • Teil 2:


    Wir aßen etwas und genossen die Aussicht, dann ging es weiter. Zuerst dachte ich jetzt geht es wieder zurück, aber nein es ging querfeldein. Da unser Guide nicht den einfachen längeren Weg gehen wollten, entschied er sich das wir uns auch mal ein Stück abseilen müssten. Blind vertraute ich seinen Anweisungen und kam ohne Probleme runter. Aber wir gingen trotzdem nicht zurück, etwas Verwirrtheit in der Gruppe machte sich breit, wo gingen wir hin? Dann die Auflösung: die 3- Stunden Gruppe hatte vorhin eine kleine Eishöhle entdeckt, dort sollte es hingehen. Ok es war nicht wirklich eine Höhle eher so ein Spalt, aber ich sage euch was für ein blau! Ich war hin und weg. Dort sollten dann Fotos geschossen werden, die so aussehen als ob wir diese Höhlenwand erklimmen würde, in Wahrheit war sie schräg und wir taten nur so. Ich bin kein Freund solcher Fakefotos, aber mal Bruder wollte und zog mich mit. Die Spalte war ziemlich rutschig und da passierte es. Ich hatte mich nicht richtig festgekrallt, war zu ängstlich gewesen, hatte Angst was passieren würde wenn ich abrutsche und machte sogleich Bekanntschaft damit. Ich rutschte etwas ab und schrammte mir meine rechten Fingerknöchel auf. Ich biss die Zähne zusammen, es wurden Fotos gemacht und dann zurück zur Gruppe. Dort bestätigten sich gleich zwei Vorurteile, das Paar aus den USA aß Beef Jerky und das kanadische Paar, was meine Verletzungen sah, reichten mir sofort Pflaster. Tatsächlich blutete es schon etwas und die Wunde war doch tiefer als gedacht, den restlichen Urlaub würde die Wunde nicht wirklich ausheilen.


    (Gletscherhöhle/Spalte)


    (Unten, dort wo der Geltscherfluss rauskommt)


    Nach diesem kleinen Abenteuer ging es dann wirklich zurück. Als wir den Berg verließen, kamen gerade dunkle Wolken auf. An einigen Stellen wäre ich gerne länger verweilt, aber das ist nun einmal das Manko einer geführten Tour du musst dich nach den anderen richten. Trotzdem war es ein unvergessenes Erlebnis!

    Zurück am Center sammelten wir unsere Mutter auf, die bereits seit 2 Stunden auf uns gewartet hatte (ups…). Wir waren alle fertig, aber ich entschied, dass der Tag noch nicht vorbei war, denn ich wollte noch zur Gletscherlagune. Bruder und Mutter waren nicht so begeistert, aber ich fand, wenn man schon in der Nähe ist muss man da auch hin. Das Wetter wechselte gerade etwas, aus windstill wurde windig, es gab eine gewisse Warnung. Aber Truppi war schwer also ging es los. Wir nahmen noch ein ukrainisches Wanderpaar mit. Mein Bruder und ich erinnerten uns zurück, damals vor 2 Jahren war es auch windig gewesen, dumm und naiv sind wir damals mit unserem kleinen Auto gefahren und promt in einen Sandsturm gekommen. Mit mehr Glück als Verstand, das wird mir heute klar, sind wir da heil rausgekommen. Wir hatten wirklich keine Ahnung und hatten uns auch überhaupt nicht informiert, wie gesagt dumm und naiv. Heute pfeift es in Truppi und zwar so sehr, dass man annehmen könnte, draußen tobe der Sturm des Jahrhunderts Aber dann sind wir da und alle sagen nur noch oh wie schön! Das Wanderpaar verließ uns mit den Worten sie wollen am Strand hier zelten. Wir glauben nicht, dass sie ihre Mission erfolgreich umsetzen konnten, abgesehen davon das es wohl illegal ist.

    Nun bewunderten wir den Gletschersee, Eisberge, Sonnenschein, Seehunde und ja etwas starken Wind. Trotzdem ein faszinierender Anblick. Wir folgten dem Fluss und ein paar Eisbrocken zum Meer hinunter. Wir wanderten etwas an der Küste entlang, beäugten die Eisbeerge, sahen einem Vogel zu wie er direkt einen Fisch fing, der zu schwer für ihn war und staunten über die Wellen (deadly Sneaker waves?). Meine Mutter bedankte sich, dass ich mich durchsetzt hatte. Das hier war es wirklich Wert gesehen zu werden. Dann ging es aber wirklich zurück. Vor zwei Jahren war der Nachbarsee noch ein Geheimtipp gewesen heute sahen wir ein großes Schild und eine geteerte Straße die dahin führen, darum entschieden wir dort nicht mehr anzuhalten sondern zurück zum Hotel.



    (Vogel mit Fisch und im Hintergrund die stürmische See)


    Beim Essen tauschten wir unsere Bilder aus (unsere Mutter ist nur die mittlere Tour gewandert) und zur Feier des Tages gönnte sie sich ein Glas Wein „Sind wir mal ehrlich, in Deutschland bekommst du nur ein halbes Glas Wein, hier bekommst du ein volles Glas Wein. Dann geht das mit dem Preis auch wieder.“.



    (Unser Abendprogramm, Sonnenuntergang am Gletscher)