Mit Reisemobil im Februar im Nordosten unterwegs

  • Ich frage mich immer wieder "was hat dieses Land mit uns gemacht". Wieso ist es nicht so in Italien oder Schweden? Beides doch auch sehr schöne Länder. Was ist da anders?

    Keine Ahnung, aber dieses kleine Land, in dem der Himmel etwas näher ist, das brennt sich ein in unsere Herzen und hinterläßt wunderschöne Narben.

    In dem Buch, welches ich gerade lese, steht an einer Stelle "Gott macht die schönsten Gedichte". Ich sage aber "Der Himmel macht die schönsten Melodien" und ich lass mich tragen in der Erinnerung, gefolgt von der Sehnsucht, die dann abgelöst wird durch die Vorfreude. Meine drei Himmelsrichtungen, zu der dann ein vierte hinzustößt und die heißt Freude und Glückseligkeit.


    Schmalz? Ja, aber diese Gefühle bestimmen meine Zeit. Ich bin gelassener geworden, Þetta reddast, nicht immer, aber doch schon öfter.

  • Ich frage mich immer wieder

    Für mich gibt es Fragen, welche nicht zu beantworten sind. Deine gehört dazu.

    Die will ich mir auch gar nicht beantworten, denn ich lasse es einfach geschehen.Wenn ich danach frage dann suche ich nach Antworten.

    Wenn ich die Antwort habe, ist alles entzaubert und ist erklärt,

    Wir suchen rational nach Erklärungen, oder nach dem Erklärbaren.

    Ich, wie gesagt suche nicht danach, ich lass es geschehen.

    Wer an Gott glaubt, kann IHN nicht erklären.

    Vielleicht ist Gott in Island besonders nah?


    Man kann natürlich auch sagen: tolles Land, einizgartige Natur, grandiose Naturgewalten, tolle Menschen usw.usw..... Stimmt!


    Aber dass ist es nicht, so glaube ich dich zu verstehen.
    Ich glaube, wenn Du immer versuchst eine Antwort zu finden, beeinflusst es deine Wahrnehmung.


    Wer erklärt was er sieht, hat eine Antwort.

    Wer erlebt, was er sieht, hat eine Geschichte.

  • ich bin freue mich sehr über Euer interesse und über Eure anteilnahme! 😊 das hatte ich nicht erwartet, zumal andere hier maßstäbe gesetzt haben, was reiseberichte angeht. aber vergleiche sind ohnehin oft nicht zielführend... für mich das natürlich auch ein ansporn, unsere geschichte zuende zu erzählen. 😉


    was Island angeht, so hatte ich bei meinem ersten besuch vor mehr als 20 jahren das gefühl, einen blick in die „küche“ der erde zu werfen. das erleben von natur pur und der anblick der veränderungen und verformungen, die schier unfassbare kräfte hinterlassen haben, hat mich bis ins innerste getroffen. kein anderes land der welt, welches ich bisher bereist habe, hat das.


    das anthropozän hat natürlich auch auf Island deutliche spuren hinterlassen, aber es gibt eben auch noch großräumig natur im eigentlichen sinne. die gibt es zwar auch anderswo noch, aber sie ist da eher statisch und hat nicht diese unmittelbar erlebbare veränderungsdynamik wie auf Island.


    mich wird Island wohl nicht mehr loslassen. „overtourism“ her oder hin. zumindest solange nicht sämtliche pisten asphaltiert sind (und dann wird neu entschieden 😉)



  • ein nachtrag noch zur fahrt auf der 955 von Fákruðsfjörður nach Reyðarfjörður - auf der straße lagen abschnittsweise nicht gerade wenige und nicht gerade kleine gesteinsbrocken. verkehszeichen zeigten ordnungsgemäß die gefahr von steinschlag an (habe mich als kind schon gefragt, welchen nutzen das schild hat, da man dem ja kaum ausweichen können wird; nur damit man weiß, warum gerade jetzt das letzte stündlein geschlagen hat oder woher die beule im blech kommt?).


    glücklichweise passten wir immer durch, manchmal durchaus knapp. da es ja die kurze tunnelverbindung zwischen den beiden orten gibt, wird die straße wohl nur noch von den dort ansässigen bauern und von touristen genutzt. räumung nur wenn wirklich nötig. ein bißchen nervenkitzel war es für uns schon. 😉

  • der nächste tag begann mit strahlendem sonnenschein und blauem himmel. der schnee war allenthalben noch weiter geschmolzen und so entstand die frage, ob es jetzt nicht doch möglich ist, den kurzen wanderweg von der 954 bis zur spatmine Helgustaðanáma zu gehen. wir also nochmal hin und tatsächlich war der anfang des wegs nur noch mit eher harmlosen schneeresten bedeckt.


    wir waren gerade dabei, uns aufzubrezeln, also die grödel anzulegen und uns das moniereisen, welches zum testen unklarer bodenbeschaffenheiten immer mit an bord ist, resp. ein ausgezogenes einbeinstativ für den gleichen zweck zu greifen, als eine einheimische familie, erkennbar am mitgeführten hund, zurückkam - bekleidet mit oberhemd bzw. dünnem pullover und von wanderstiefeln, geschweige denn schuhspikes keine spur. das etwa 10 jährige mädchen bewegte sich, altersentsprechend, überwiegend hüpfend den berg hinab, sneakers oder ähnliches an den füßen. ookeeee .... 8|


    wir nun los und es war kein problem zur höhle zu kommen, der weg war eindeutig erkennbar. allerdings war der höhleneingang von einem dicken pfropfen zusammengebackenen schnees versperrt. nur links und rechts war jew. ein ca. 50cm breiter spalt frei, der durch die wärmeabstrahlung der dunklen felswände entstanden sein dürfte. der verdichtete schnee unter unseren füßen war etwa 1m hoch, so dass ich meiner reisepartnerin gern den vortritt lies und selbst lieber mit dem tragen der verantwortung vorlieb nahm. ;) immerhin war erkennbar, dass die schneeschicht, auf der wir standen, nicht bis zum boden reichte, es also durchaus im bereich des möglichen lag, einzubrechen.

    sie brachte interessante fotos mit, so dass ich mir ein bild machen konnte von den gegebenheiten dort unten.


    danach sind wir noch ein paar meter hinauf zum dazugehörenden tagebau gegangen. der weg führte an einem alten maschinenteil vorbei in ein kleines rund von ca. 50-100m durchmesser und umgeben von 10-20m hohen nahezu senkrechten felswänden. der boden war noch schneebedeckt, aber in den felswänden waren dicht an dicht einschlüsse von spat zu sehen.


    auf dem rückweg aus dem tagebau glitzerte und gleißte der ganze bereich unterhalb des tagebaus in der sonne. überall kleine zerbröselte reste von spat (mitnehmen verboten!!).


    fortsetzung folgt :)



    .

  • bin nun wieder zu hause. das zurückkommen in eine großstadt wird für mich von mal zu mal schwieriger. alles zu voll, zu laut, zu hektisch etc. pp.


    nun weiter mit für mich erfreulicherem 🙂


    nach dem besuch der spatmine wollten wir über Eskifjörður und dem großen rastplatz hoch über dem Reyðarfjörður zurück zum ort Reyðarfjörður.


    auf dem rastplatz haben wir uns die infotafeln angeschaut - irgendwo hinter uns muss sich das grab der weisen frau befinden, die es vor knapp vierhundert jahren mit einer weissagung geschafft haben soll, den fjord vor einer nordafrikanischen invasion zu schützen. zu passender zeit sollen sturm und sonstiges unwetter in so ungewöhnlicher stärke heraufgezogen sein, dass die invasoren von ihrem vorhaben abstand nahmen. das soll im wiederholungsfall auch fürderhin so sein - zumindest solange ihre gebeine nicht verwesen.

    ich übernehme keine verantwortung für die richtigkeit dieser überlieferung! 😉


    hier näheres dazu:

    https://www.inspiredbyiceland.…ils/volvuleidi?type=place


    aber hinter uns, also zwischen straße und dem Hólmatindur, dem berg, der sich unmittelbar an der straße erhebt, war nix zu sehen, wo man hätte aufsteigen können. also weiter nach Reyðarfjörður.


    und siehe da - etwa 2 km nach dem rastplatz zum ort Reyðarfjörður sahen wir plötzlich ein kleines unscheinbares hinweisschild “Völvuleiði”, das grab der weisen frau! der weg war offenbar der, der früher Reyðarfjörður und Ekistaður miteinander verband. jetzt ist er laut hinweisschild zu einer sackgasse geworden, aber noch ein stück befahrbar bis zu einem wegweiser zum grab. wir haben es gefunden und von dort den blick schweifen lassen über den riesigen fjord, an diese starke frau und die mutmaßlichen geschehnisse damals denkend.


    danach sind wir nach Reyðarfjörður. ein nahezu wolkenloser tag heute und so hoffte ich wieder auf nordlichter. als es dunkel wurde waren sie da! also sichtbar, meine ich. und wie! der ganze himmel war voll davon! es war überwältigend.

    leider war ich nicht schnell genug mit dem antüdeln warmer sachen und dem herrichten der kamera, so dass es nur einige völlig unscharfe und noch dazu verwackelte fotos aufd er SDcard waren. egal - der eindruck ist in meinem kopf gespeichert und wird dort auch eine ganze weile bleiben. 😊


    was für ein intensiver tag heute...


    morgen geht‘s dann nach Seyðisfjörður. der weg ist auf Vegagerðin grün gekennzeichnet, also problemlos befahrbar. aber ein kleines zeitpolster brauche ich für meinen seelenfrieden. außerdem müssen die spikes noch raus, ehe es auf die fähre geht. vielleicht bleibt danach noch zeit, eine der straßen entlang des fjords zu fahren. mal sehen...



    fortsetzung folgt. 🙂

  • Danke Christian,

    da mein diesjähriger Ausflug ja in den Norden-Nordosten und auch ein bisschen Nordwesten gehen wird, freue ich mich besonders soviel aus der Gegend zu lesen.

    Von der "weisen Frau" habe ich gerade etwas gelesen in dem Buch "Auf den Spuren von Elfen und Trollen in Island". Unter anderem sind dort auch viele Wanderwege, die immer etwas mit den Elfen und Trollen zu tun haben, aus dem Norden - Nordosten- beschrieben.

  • ja, genau dieses buch hatte meine reisepartnerin auch dabei. 😊

    es ergeben sich nochmal ganz andere perspektiven, wenn man aus verschiendenen quellen schöpft. vor allem die überlieferungen helfen sehr, ein land zu ergünden, soweit das für ausländer überhaupt möglich ist. das war mir selbst bisher gar nicht so klar...



  • am nächsten tag nochmal zu Olis zum entsorgen und wassertanken. wer weiß, ob das in Egilsstaðir inzwischen möglich ist - tauwetter hin oder her.

    wie bisher auch schon bei Olis - alles völlig unkompliziert. nettes gespräch mit einer der angestellten über reisen nach Europa im allgemeinen und nach D im besonderen.


    dann ging es zunächst nach Egilsstaðir, letzte mitbringsel besorgen. und siehe da: die entsorgungsstation bei N1 war noch immer hoch mit schnee bedeckt. da wäre kein rankommen gewesen. also in gegenden mit nicht so dichter infrastruktur bei jeder sich bietenden gelegenheit entsorgen! aber das wusste ich schon. 😉


    dann ging es über den berg nach Seyðisfjöður. die straße war schneefrei, aber ringum noch sehr viel weiß. es gibt mindestens zwei aussichtspunkte, ein dritter war nicht zugänglich weil noch tief verschneit.


    als erstes zur werkstatt, bei der wir dank des hilfreichen kontakts in Akureyri schon angekündigt waren. cheffe Isländer, während die beiden, mit denen wir es direkt zu tun hatten, aus osteuropa stammten, der eine war Litauer, der andere Pole. beide des englischen nicht bzw. nur sehr rudimentär mächtig. verständigung war angesichts der überschaubaren aufgabe unter einsatz von händen und füßen trotzdem kein problem. passendes werkzeug für das entfernen der spikes hatten sie nicht und es sah so aus, als machten sie das zum ersten mal. glücklicherweise hatte mir die werkstatt, die die spikes reingedreht hatte, einen schlüssel für die pins mitgegeben, so dass wenigstens einer damit zu werke gehen konnte, während- der andere die dinger mit einem schraubenzieher raushebelte. nun ja.

    einer der beiden fragte nach abschluss der arbeiten, ob er die pins haben könne. ich hab sie ihm gegeben, da beide auf mich den eindruck machen, als seien es arme schlucker und außerdem winterurlaub trotz aller schönen erlebnisse hier nicht so meins ist, wie ich festgestellt habe. zumindest, wenn man kein gas tanken kann. das herausheben der propangasflasche aus der heckgarage jeden abend war nicht gerade rückenschonend. mein ISG zuckt schon, während ich das hier schreibe. ;) gut, dass wir zu zweit waren.


    einen halben tag hatten wir noch und der nächste tag stand auch noch zur verfügung, da die fähre erst um 20 uhr ablegen wird. vorsichtshalber erst die sachen für die überfahrt packen und dann eine der beiden straßen, die am fjord längst führen erkunden. eine frage ans hochgeschätzte forum hier ergab, dass für unser gefährt beide machbar sein sollten. wir wählten die 952, den südlich verlaufenden weg. der war auch problemlos, bis wir nach etwa zwei dritteln des weges - vorb ei an den resten einer kürzlich hier niedergegangenen kleinen lawine vorbei - an einen etwas steileren anstieg kamen, der noch ziemlich tief mit schnee bedeckt war und reifenspuren von vergeblichen anläufen kündeten. also ende, zumal ja nun die reifen "nackt" waren.

    schöne ausblicke auf den fjord, auf das meer und das keine leuchttürmchen am gegenüberliegenden ufer.

    eine vielzahl von alten ruinen, die meisten aus beton, kündeten von den schwierigkeiten, hier eine existenz dauerhaft zu sichern. dafür gab es nun einige ferienhäuser, die aber jetzt im märz noch nicht belegt waren.


    eiderenten und austernfischer waren am tun und machen, ansonsten stille. einfach nur stille.


    auf dem rückweg, quasi am rand von Seyðisfjörður, gegenüber der fischfabrik (?), ein parkplatz mit einem hinweisschild auf Tvisöngur, einer begehbaren betonskulptur, in der man mit der eigenen stimme oder anderen schallquellen experimentieren kann. bemerkenswert war, dass hier oben am hang nichts mehr von der permanent präsenten geräuschskulisse der hafenstadt zu hören war. ein sehr geschickt gewählter standort! der nur etwa 700m lange aufstieg lohnt sich m.E. auf jeden fall.

    hier ein link dazu https://zauber-des-nordens.de/…skulptur-von-lukas-kuhne/


    dann zurück zum hafen, check-in zu fuß, während das gefährt auf einem P blieb. keine frage nach der temporären einfuhrgenehmigung, die ich bei der einreise im mai vergangenen jahres erhalten hatte, auch keine frage nach der länge meines aufenthalts hier, auf die ich mich extra durch mitführen diverser belege vorbereitet hatte. einfach nur vorlage der buchungsbestätigung und aushändigung der bordkarten. das wars.


    tschüss Island, bis zum nächsten mal!


    islandwinke

  • ...und die Sehnsucht wächst!

    Schön, den Reisebericht, der eigentlich ja gar keiner werden sollte, zu lesen, mit Dir zu reisen und mal wieder viele interessante Punkte aufzuschreiben. Mein Mann fragt schon immer, ob ich denn noch wüßte, wo ich alles abgeheftet hätte. Ist nicht so einfach zu beantworten, denn einiges wird im Kopf abgeheftet und kurz vor der Reise hervorgekramt, dann aber in "Schönschrift" festgehalten.

    Immo freu ich mich auf Norwegen. In etwas mehr als 4 Wochen geht's los.