Mein Reisebericht: vier Wochen Island im Juli 2019

  • Hallo liebes Forum,


    ich habe es endlich geschafft, meine Bilder zu sortieren und meinen Reisebericht fertig zu schreiben Clap . Das möchte ich nun gerne mit euch teilen. Da er doch sehr lang geworden ist, poste ich immer peu á peu immer einen Tag nach dem anderen.


    Da ich in Zukunft gerne einen Reiseblog schreiben möchte, hat der Reisebericht ein bisschen Blogcharakter. Lasst euch davon nicht stören. Es würde mich freuen, wenn der ein oder andere das Lesen meines Berichtes genießt.


    Viele Grüße

    Melly

  • Island Juli 2019


    Im Juli 2019 haben wir Island als Reiseziel für unseren Sommerurlaub gewählt. Obwohl eine Reise nach Island in Deutschland immer populärer wird, war es doch für viele, mit denen wir vorher gesprochen haben, ein Buch mit sieben Siegeln. Warum möchte jemand freiwillig seinen Sommerurlaub auf einer kalten Insel verbringen? Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: um wunderschöne und einzigartige Natur zu sehen, um unvergessliche Wanderungen zu unternehmen, um den unerträglichen Temperaturen im Heimatland zu entgehen (zu Hause waren es während unserer Reise zeitweise 42 Grad!) und noch aus tausend weiteren Gründen. Vorab können wir jetzt schon verraten, dass wir uns in die kleine raue Insel im Nordwesten Europas verliebt haben und auf jeden Fall wiederkommen möchten!


    Da wir die vergangenen Jahre immer nur recht kurze Urlaube hatten, haben wir uns dieses Mal für einen längeren Aufenthalt entschieden und hatten insgesamt ohne An- und Abreisetag 25 ganze Tage zur freien Verfügung. Die meisten anderen Reisenden, mit denen wir unterwegs gesprochen haben, haben zwei Wochen Zeit für die Inselerkundung. Wir mit unseren fast vier Wochen konnten uns also Zeit lassen, auch etwas abseits der normalen Touristenströme gelegene Ziele ansteuern, zusätzliche Tagestouren unternehmen und insgesamt natürlich viel flexibler entscheiden, was wir gerne machen möchten. Für uns war dies genau die richtige Entscheidung, keinen festen Plan zu haben, sondern jeden Tag je nach Wetter und Lust und Laune neu zu entscheiden, was wir machen und sehen möchten.

  • Tag 1 – Montag, der 01. Juli 2019


    Heute war es endlich soweit: wir sind nach Island geflogen! Der Flieger ist pünktlich um 14:00 Uhr in Düsseldorf gestartet und nach einem sehr entspannten etwa dreieinhalbstündigen Flug um 15:40 Uhr Ortszeit in Keflavik gelandet.


    Da wir vorher entschieden hatten, in Island zu zelten, musste natürlich unsere Campingausrüstung mit. Also konnten wir entgegen unserer normalen Philosophie nicht nur mit Handgepäck fliegen, sondern hatten auch Aufgabegepäck dabei. Auf das haben wir ein wenig länger warten müssen, anschließend sind wir den kurzen Fußweg zu dem Shuttlebus der Mietwagenanbieter vor dem Terminal gelaufen. Wir konnten unseren Kleinstwagen bei der Enterprise Station entgegennehmen, was schnell und professionell ablief. Wir haben einen recht neuen Hyundai i10 bekommen, sind mit dem Mitarbeiter einmal um das Fahrzeug gelaufen, während wir reichlich Fotos des Zustandes bei Übergabe angefertigt haben. Da sich hier bereits abgezeichnet hat, dass der Kofferraum zu klein sein wird, haben wir dann direkt die Rückbank geklappt, die Taschen reingeworfen und sind losgefahren.


    Das Wetter hat uns bis hierhin schon einmal einen kleinen Vorgeschmack auf die nächsten Wochen gegeben: es war leicht bewölkt, ohne Regen, aber recht windig. Schon auf den ersten Kilometern sind wir durch eine wunderschöne bemooste Lavalandschaft gefahren, im Hintergrund die Silhouetten der Berge, links neben uns das Meer. Das war der erste Moment, in dem mir klar wurde, dass wir wirklich hier sind und das Land die nächsten Wochen erkunden dürfen.


    Inzwischen war es dann schon fast fünf Uhr und wir sind erstmal zum Bonus in Hafnarfjörður gefahren, wo wir uns mit Lebensmitteln und sonstigen Einkäufen für die ersten paar Tage eingedeckt haben. Anschließend sind wir zum Campingplatz in Hafnarfjörður gefahren, haben uns dort an der Rezeption angemeldet und bezahlt und haben dann unser Zelt auf der Zeltwiese aufgebaut. Der Campingplatz an sich war in Ordnung für die erste Nacht, kein besonders toller Blick und nicht sehr windgeschützt, aber kostenlose Duschen und ein Servicehaus, das lange geöffnet hat. Hier gibt es auch eine kleine Resteecke, in welcher wir noch zwei halbleere Schraubkartuschen für unseren Kocher gefunden haben, die wir mitgenommen haben. Wahrscheinlich ist es besser, zuerst zum Campingplatz zu fahren und zu schauen, was die Resteecke hergibt, und danach einkaufen zu fahren. Das hätte jedoch bei uns heute zeitlich nicht hingehauen.


    Wir haben uns dann erstmal etwas gekocht und sind anschließend noch zu einem kleinen Spaziergang durch die Stadt aufgebrochen. Wir sind vom Campingplatz aus immer am Meer entlang gegangen, bis wir beim Wikingerdorf angelangt sind. Hier wurde ein Hotel und ein Restaurant im Wikingerstil errichtet. Man kann aber auch als Nichtgast einmal durch das kleine Dorf laufen und es sich ansehen. Es ist alles sehr liebevoll und schön gestaltet und ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Anschließend sind wir an der Kirche vorbeigelaufen und danach weiter bis nach Hellisgerði, einem Park, in dem Elfen wohnen sollen. Wir sind dann ein wenig durch diesen schönen Park mit den vielen Lavaformationen spaziert, bevor wir zurück zum Campingplatz gelaufen sind.

  • Hallo Melanie,

    schön das Du uns teilhaben lässt. Ich freue mich schon auf die weiteren Seiten.

    Ich möchte Dir trotzdem den Rat geben, die Fotos hier einzufügen.

    Das ist wesentlich übersichtlicher und interessanter. Es ist sonst ziemlich lästig immerwieder zum Album zu springen.

    Auch die direkte Zuordnung ist dann viel leichter.

    Ja nach Größe kann eine Verkleinerung auf 60 oder 40 % ausreichen.


    Hatte ich vergessen, ich weiß nicht ob es die Regel noch gibt, dass in das Album nur 1 Foto pro Tag eingestellt werden darf.


    LG

    Jörg



  • Ich möchte Dir trotzdem den Rat geben, die Fotos hier einzufügen.

    Ist erledigt, hoffentlich ist es jetzt leichter zu folgen ;)

    Wohnen sollen?8|


    Sie wohnen dort!!:girl:

    Ich habe tatsächlich lange über die Formulierung nachgedacht und mich am Ende für die unverbindliche agnostische Variante entschieden :D

  • Hallo Melanie! Auch ich möchte mich ganz herzlich dafür bedanken, dass du einen Reisebericht schreibst. Ich weiß wie viel Arbeit das ist und gebe Zoo bisher habe ich es noch nie geschafft. Aber so ein Reisebericht ist eben ein Lichtblick in dieser jetzt gerade etwas triesten Jahreszeit

  • Hi Melanie,

    Auch von mir ein herzliches Dankeschön für den Reisebericht. Aus solchen Berichten habe ich schon super Tipps für unsere Reisen gezogen. Oft war es auch mal "nur" ein Foto, das meine Reiseplanung komplett über den Haufen warf.

    Für uns gehört das Blogschreiben mittlerweile zu einem Urlaub, auch wenn es manchmal einige Disziplin abverlangt und an manchen Tagen der innere Schweinehund seeeehr laut bellt (grunzt). Wir haben darin aber die perfekte Form für unser Reisetagebuch gefunden.

    LG

    Claudia



  • Tag 2 – Dienstag, der 02. Juli 2019


    Heute Morgen waren wir schon sehr früh wach, die erste Nacht mit Mitternachtssonne war trotz Schlafbrille gewöhnungsbedürftig, aber ein tolles Erlebnis. Wir haben uns dann in Ruhe fertig gemacht, abgebaut und am Platz gefrühstückt.


    Nach dem Frühstück sind wir zuerst zu einer kurzen Besichtigung nach Bessastaðir, dem Amtssitz des Präsidenten, gefahren. Da es noch recht früh war, war noch niemand sonst vor Ort und wir konnten uns in Ruhe umschauen und den guten Blick auf die Hauptstadt Reykjavík genießen, die auf der anderen Seite der Bucht liegt. Der Amtssitz ist kaum abgesperrt, man kann bis zu einer Schranke laufen und sich alles in Ruhe ansehen. Das haben wir vorher so auch nicht gekannt, normalerweise sind solche Orte immer großräumig gesichert.


    Danach sind wir nach Reykjavík zum Campingplatz gefahren, wo wir unser Auto abgestellt haben. Von hier aus sind wir dann erst zum Gästehaus der Hauptstadt, dem Haus Höfði gelaufen. In diesem Haus fand 1986 ein Treffen zwischen Reagan und Gorbatschow statt, welches mit zum Ende des kalten Krieges führte. Vom Haus Höfði sind wir runter an das Meer gelaufen und immer an der Uferstraße entlang bis zum Wikingerschiff Sólfar. Tagsüber soll es hier sehr schwer sein, Fotos ohne dutzende andere Touristen zu machen. Da es aber immer noch recht früh war, waren nur wenige andere Leute mit uns hier und jeder konnte gute Fotos des Sonnenschiffs machen.


    Wir sind dann weiter zum Konzerthaus Harpa gelaufen, dessen schöne Fassade von außen und von innen wunderschöne Ansichten liefert. Eigentlich wollten wir von hier weiter in Richtung Alter Hafen laufen, da aber sehr viel gebaut wurde und es sehr laut war, haben wir uns dann lieber Richtung Altstadt orientiert. Wir sind hier dann wie wir Lust hatten durch die Gegend gebummelt, ohne festes Ziel.


    Wir sind am Hügel Arnarholl mit der Statue von Ingolfur Arnarson, dem ersten Siedler Islands, vorbeigelaufen, am kleinen Park Austurvöllur und dem Parlament, an der Domkirkja und danach weiter zum Stadtsee Tjörnin mit der interessanten Statue des Namenlosen Bürokraten. Hier befindet sich auch das Rathaus und die Touristeninformation mit einem wunderbaren 3D-Modell Islands, das man sich auf jeden Fall ansehen sollte. Von hier aus sind wir dann an der Fríkirkjan vorbei in Richtung Hallgrimskirkja, dem Wahrzeichen der Hauptstadt, gelaufen.


    Bevor wir die Kirche angesehen haben, haben wir noch einen kurzen Stopp im benachbarten und kostenfreien Skulpturengarten von Einar Jónsson gemacht und uns die teilweise sehr schönen Skulpturen angesehen. Danach sind wir zur Hallgrimskirkja gelaufen und wie erwartet war es hier sehr voll. Man kriegt kaum ein vernünftiges Foto ohne dutzende andere Personen im Bild. Wir sind dann erstmal in die Kirche rein gegangen. Innen ist die Kirche sehr schlicht und geradlinig, das Highlight ist eine deutsche Orgel. Leider wurde die Orgel in diesem Moment nicht bespielt, in den Genuss sollten wir aber an einem anderen Tag noch kommen. Wer mag, kann noch mit dem (kostenpflichtigen) Aufzug auf die Kirchturmspitze fahren und den Ausblick auf die Hauptstadt genießen. Wir haben uns dagegen entschieden, da aus unserer Sicht die markante Hallgrimskirkja das Highlight der Stadtsilhouette ist (und bei Bildern von der Spitze derselbigen demnach natürlich fehlt).


    Von der Hallgrimskirkja aus sind wir dann die Straße Skólavörðustígur hinuntergelaufen, die von unzähligen mehr oder weniger interessanten Souvenirläden gesäumt wird. Am Ende trifft diese Straße auf den Laugavegur, die Haupteinkaufsstraße Reykjavíks. Wir sind den Laugavegur rechts runter gelaufen, bis wir am Ende am Busbahnhof und an der Markthalle angekommen sind. Inzwischen war es auch schon Mittag und wir haben nach einer guten Lunchmöglichkeit gesucht. Die Markthalle selber bietet hierfür zwar ein ganz gutes Angebot, war uns jedoch zu voll und zu laut. Wir haben dann eine kleine Nudelsuppenbar gefunden, in der wir etwas gegessen haben. Ich habe eine Cola zu der Suppe bestellt, bis mir am Tisch wieder eingefallen ist, dass man in Island ja überall umsonst das sehr gute Leitungswasser zum Essen bekommt. Also haben wir uns noch einen kleinen Krug Leitungswasser weggenommen und zufrieden unsere Nudelsuppen gegessen.


    Nach dem Mittagessen sind wir zurück zum Campingplatz gelaufen und mit dem Auto zum Museum Perlan gefahren. Die Ausstellung ist mit etwa 4.000 Kronen pro Person sehr teuer, allerdings auch wirklich lohnenswert. Für einen ersten Überblick, auf was für einer Insel man sich eigentlich befindet, welche Besonderheiten sie hat und was für Tiere auf ihr heimisch sind ist das multimediale Museum sehr empfehlenswert. Unser Highlight war eine nachgebaute Eishöhle, durch die man hindurchlaufen kann. Für weitere 500 Kronen pro Person kann man sich dann auch noch eine Polarlichtershow ansehen, wir wollten aber langsam nur noch raus aus der Stadt und die echte Natur sehen und haben die Polarlichtershow daher nicht mehr angesehen. Bevor wir gefahren sind, sind wir noch nach oben auf das Observation Deck gegangen. Hier hat man einen tollen Blick auf Reykjavík, die umliegenden Berge und das Meer. Hier haben wir dann schöne Panoramafotos gemacht und eine Weile einfach in alle Richtungen geschaut, bis es im Wind langsam kalt wurde.


    Wir sind dann zum Þingvellir Nationalpark gefahren, den Ort des ersten Parlaments Islands. Die Fahrt dorthin von Reykjavík ist sehr schön, wir haben ein paar Mal an den Parkbuchten angehalten, um Fotos zu machen und einfach nur zu schauen. Als wir am Nationalpark angekommen sind, war es schon später Nachmittag und wir haben erstmal unser Parkticket in Höhe von 750 Kronen bezahlt. Macht das unbedingt sofort, wir haben später noch einen älteren Mann getroffen, der sein Ticket noch bezahlen wollte, aber die Automaten waren um diese Uhrzeit dann nicht mehr erreichbar. Wir haben also erstmal schnell das Ticket bezahlt und dann eine kleine Pause an den Picknickbänken vor der Information gemacht. Am Infocenter gibt es auch einen tollen Aussichtspunkt, von dem aus man weite Teile des Nationalparks und des Sees Þingvallatn überblicken kann. Von hier aus sind wir dann los durch die Almannagjá Schlucht gelaufen, zuerst zum kleinen Wasserfall Öxarárfoss. Hier laufen nicht ganz so viele Touristen hin und man kann in Ruhe schauen und Bilder machen.


    Danach sind wir zur Þingvallakirkja gelaufen und von dort weiter zur berühmten Silfra-Spalte. Hier wird traditionell getaucht und geschnorchelt, man kann aber auch zu Fuß über eine Treppe bis an das Wasser ran gehen und die Wasserflaschen mit dem herrlichen klaren Wasser der Spalte auffüllen. Danach sind wir wieder zum Besucherzentrum gelaufen. Insgesamt haben wir für die leichte Wanderung auf den breiten Wegen durch den Nationalpark etwa zwei Stunden gebraucht, sind allerdings auch sehr gemütlich gelaufen und haben viele Pausen zum Schauen und zum Fotografieren gemacht.


    Danach sind wir zum Campingplatz bei Laugarvatn gefahren. Hier ging bereits ein Mädchen rum und hat die Standgebühr eingesammelt, welche wir vor dem Zeltaufbau bezahlt haben. Danach haben wir uns eine wunderschöne versteckte Ecke auf der Wiese gesucht und hier unser Zelt für die Nacht aufgeschlagen. Dieser Campingplatz hat uns sehr gut gefallen, man hat einen tollen Blick auf den See und die Berge. Die Ausstattung ist in Ordnung, es gibt kostenlose Duschen aber leider keinen Aufenthaltsraum, sodass wir unser Abendessen dann draußen an den Picknickbänken gemacht haben, bevor wir sehr müde und sehr zufrieden ins Bett gefallen sind.

  • Das passt super, dass du jetzt deinen Reisebericht einstellt; so hoffe ich - neben deinen bereits gegebenen Hinweisen zu meiner Planung - doch noch ein paar Anregungen für meinen Urlaub im Juni.


    Dein Auftakt ist sensationell !! Aber bitte etwas langsamer; man kommt ja kaum mit dem Lesen hinterher.


    Danke schon mal im Voraus, dass wir an deinem Urlaub teilhaben dürfen.



  • Tag 3 – Mittwoch, der 03. Juli 2019


    Heute war ein sehr anstrengender aber auch sehr schöner Tag für uns. Heute Nacht hat es viel geregnet und auch heute Morgen war es noch ziemlich nass. Wir haben uns dann fertig gemacht und im Zelt gefrühstückt, bevor wir abgebaut haben und losgefahren sind.


    Unser erstes Ziel heute war das Hochtemperaturgebiet Haukadalur mit dem berühmten Geysir Strokkur, bei welchem wir schon um halb neun waren. Um diese Zeit war hier noch nichts los, wir waren das erste (!) Auto auf dem Parkplatz. Vom Parkplatz läuft man ein kurzes Stück über die Straße und erreicht dann den Rundgang durch Haukadalur. Nach uns kamen dann nach und nach noch ein paar andere Individualreisende, aber insgesamt war es wirklich schön, das Gebiet eine Weile fast für sich alleine zu haben, in Ruhe schauen zu können und Aufnahmen des berühmten Geysirs machen zu können, auf denen nicht dutzende Leute in bunten Regenjacken stehen. Das Gebiet ist sehr schön und wir haben den Rundgang sehr genossen, zum Schluss haben wir noch ohne Film- und Fotoaufnahmen zu machen einfach nur zum Gucken noch ein paar Ausbrüche des Geysirs geschaut. Insgesamt waren wir etwa eine Stunde hier, dann wurde es langsam immer voller und wir sind weiter zum Wasserfall Gullfoss gefahren.


    Am Gullfoss gibt es einen oberen Parkplatz am Besucherzentrum und einen unteren. Der untere ist jedoch für Privatfahrzeuge gesperrt, weswegen der obere genutzt werden soll. Vom oberen Parkplatz führt aber eine Treppe nach unten, hier steht man dann auch praktisch direkt an einem Aussichtspunkt, von dem aus man den goldenen Wasserfall wunderbar sehen kann. Hier kommt viel Gischt hoch, aber da es noch genieselt hatte, hatten wir sowieso unsere Regenjacken an. Vom Aussichtspunkt sind wir unten einen kleinen Pfad entlanggelaufen, der einen ganz nahe an den Wasserfall bringt. Leider war es inzwischen schon sehr voll, aber wir haben trotzdem sehr schöne Fotos gemacht und minutenlang einfach nur dem Wasserfall zugesehen. Das war der erste größere Wasserfall, den wir gesehen haben, und wir waren wirklich fasziniert, wie schön fallendes Wasser sein kann. Nach einer Weile sind wir hier die Treppe zum Besucherzentrum wieder nach oben gestiegen. Hier oben war es noch viel voller als unten. Wir sind dann den geschotterten Pfad, der den Fluss entlang bis zu einem schönen und nicht ganz so vollen Viewpoint führt, entlanggelaufen und danach wieder umgekehrt und zum Auto zurückgelaufen. Insgesamt waren wir eine gute Stunde beim Gullfoss.


    Unser nächstes Ziel war der Wasserfall Bruarfoss. Ab dem offiziellen Parkplatz führt ein mehr oder weniger gut ersichtlicher steiniger Wanderweg auf etwa 3,5 Kilometern bis zu diesem wunderschönen Wasserfall. Wir haben jedoch einen Fehler gemacht: an einer Stelle muss man ein bisschen Wasser überqueren, dahinter steht ein Schild mit „Private Property“. Wir sind davon ausgegangen, dass man hier nicht weiterdarf und haben uns dann einen anderen, viel komplizierteren, längeren und unschöneren Weg zum Wasserfall gesucht. Also einfach an dem Schild vorbeilaufen und immer am Fluss entlang gehen. Am Bruarfoss angekommen, waren ein paar Leute da, wir haben dann erstmal geschaut und eine kleine Pause gemacht. Nach etwa zehn Minuten waren wir dann ganz alleine und konnten die Stimmung an dem Wasserfall richtig genießen. Das ist definitiv einer unserer Lieblingswasserfälle in Island und man sollte die Wanderung hierhin auf jeden Fall unternehmen. Nach einiger Zeit kamen dann wieder ein paar Leute und wir haben uns auf den, diesmal richtigen, Rückweg gemacht. Hier haben wir dann auch unseren Fehler auf dem Hinweg bemerkt, als wir an dem Private Property Schild vorbeigekommen sind. Für die gesamte Wanderung sollte man etwa 3 Stunden einplanen, es gibt viele tolle Fotospots, kleinere aber ebenso schöne Wasserfälle am Fluss entlang und es ist insgesamt auch noch nicht wirklich überlaufen.


    Danach waren wir dann schon langsam ein wenig erschöpft und es hatte, nachdem es seit ein paar Stunden nicht mehr geregnet hatte, auch wieder angefangen zu tröpfeln. Wir sind dann zum Krater Kerið gefahren. Der Krater kostet als eine der wenigen Naturschönheiten Islands Eintritt, pro Person 400 Kronen. Wir sind dann erst oben auf dem Kraterrand eine Runde gelaufen und anschließend über eine Treppe unten zum Kratersee hinuntergestiegen und hier auch noch einmal eine Runde um den See gelaufen. Der Weg ist mit Wanderschuhen gut zu laufen, mit Turnschuhen wäre es mir zu steinig. Leider ist der Krater sehr voll und viele Reisebusse halten hier, aber man hat auch immer sehr viele ruhige Stellen und wir haben viele Vögel beobachten können. Das Reisebuspublikum hat meistens nur an dem Aussichtspunkt ein paar Selfies gemacht und ist dann schnell wieder im Bus verschwunden. Wir hatten mehr Zeit und waren insgesamt etwa eine Dreiviertelstunde an dem schönen Krater.


    Zum Abschluss des Tages sind wir dann nach Reykjadalur gefahren und zu der heißen Badequelle gelaufen. Man stellt sein Auto unten am Parkplatz ab und dann geht es auf etwa dreieinhalb Kilometern auf einem schönen breiten Wanderweg hoch hinaus. Die Ausblicke auf die umliegenden Täler und Berge sind dabei phantastisch. Ich habe immer wieder angehalten und einfach geschaut (natürlich habe ich nur zum Schauen angehalten und nicht, weil der steile Aufstieg auf meine Kondition ging). Nach etwa anderthalb Stunden haben wir den heißen Fluss erreicht, uns schnell hinter den Holzverkleidungen umgezogen und sind dann in das wunderbar warme Wasser gestiegen. Eine bessere Belohnung für eine anstrengende Wanderung kann es wirklich nicht geben. Wir haben dann bestimmt eine Stunde einfach nur im Wasser gelegen und das tolle Bergpanorama genossen, bevor es uns langsam zu warm wurde und wir uns wieder angezogen haben und zurück zum Auto gelaufen sind. Der Rückweg geht dann auch sehr schnell, weil es ja bergab geht. Insgesamt sollte man für die Wanderung mit Baden aber mindestens dreieinhalb Stunden einplanen. Wir empfehlen die Wanderung alleine schon wegen der tollen Aussichten auf jeden Fall, als Extra war der warme Fluss für uns eine der tollsten Badestellen Islands!


    Am Parkplatz haben wir dann noch schnell einen Becher Skyr gegessen und sind danach zum Campingplatz in Selfoss gefahren. Der Campingplatz hat uns sehr gut gefallen, es gibt eine großzügige Zeltwiese an einem kleinen Teich, kostenlose Duschen und einen tollen Aufenthaltsraum mit sehr großer Resteecke. Wir waren inzwischen auch recht müde, haben dann nur schnell an der Rezeption bezahlt, unser Zelt aufgebaut und im Aufenthaltsraum noch ein Abendessen gekocht, bevor wir sehr zufrieden ins Bett gefallen sind.

  • Tag 4 – Donnerstag, der 04. Juli 2019


    Wenn heute die letzten beiden Stunden nicht gewesen wären, hätte der Tag wohl komplett unter dem Motto „Island zum Abgewöhnen“ gestanden. Es hat morgens bereits leicht genieselt und wurde dann den Tag über immer heftiger. Am Nachmittag waren wir bis auf die Unterwäsche nass und die Stimmung war auf dem Tiefpunkt. Die letzten beiden Stunden haben aber alles rausgerissen und deshalb steht der Tag heute stattdessen unter dem Motto: „Highlights des Südens mit authentischem Island-Wetter“. Aber von vorne.


    Heute Morgen waren wir so gegen sieben Uhr wach. Es hat leicht geregnet, wir haben uns dann fertig gemacht, im Aufenthaltsraum gefrühstückt und das Zelt im Nieselregen abgebaut. Unser erstes Ziel war der Urriðafoss, der wasserreichste Wasserfall Islands, der aber durch ein geplantes Wasserkraftwerk akut bedroht wird. Die Anfahrt erfolgt über eine Schotterpiste, der Parkplatz liegt dann direkt neben dem Wasserfall. Obwohl er recht gut zu erreichen ist, halten sehr wenige Touristen hier und so konnten wir ganz in Ruhe an den Absperrungen entlanglaufen, gucken und Fotos machen. Wir waren hier ungefähr zwanzig Minuten, bevor der Regen immer stärker wurde und so haben wir beschlossen, den Rest des Vormittags im trockenen Lava Center zu verbringen.


    Die wohl beste Ausstellung über Vulkane Islands kostet pro Person stolze 3.590 Kronen Eintritt. Dafür bekommt man eine großartige und super interessante multimediale Ausstellung über alles Wissenswerte zu Vulkanen, eine zwanzigminütige Vorführung im eigenen Kino zum Thema Vulkane und Vulkanausbrüche sowie Zugang zum Observation Deck, von wo aus man die nahen Vulkane, über die man in der Ausstellung so viel gelernt hat, live sehen kann. Die Ausstellung ist sehr interaktiv, unser Highlight war ein Raum, in dem die nahegelegenen Vulkane an die Wände projiziert sind. Plötzlich fängt einer der Vulkane an zu rauchen und das ganze Zimmer wird mit digitaler Asche geflutet, bis man nichts mehr außer Asche sieht. Ein Wahnsinnserlebnis, wenn auch nur an die Wand geworfen. Uns hat in der Ausstellung insgesamt sehr gut gefallen und auch ohne schlechtes Wetter, vor dem man ins Trockene flüchtet, lohnt sich ein Besuch hier. Wir waren ungefähr zwei Stunden im Museum. Leider hatte es danach immer noch nicht aufgehört zu regnen. Wir haben dann beschlossen, weiter zu fahren und uns die Highlights der Südküste anzuschauen.


    Unser nächster Stopp war der berühmte Seljalandsfoss. Schon der Parkplatz war gerammelt voll und da dieser auch noch kostenpflichtig ist, sind wir ein Stück weiter durchgefahren bis zum kleinen Parkplatz nahe des Wasserfalls Gljúfrabúi. Hier parkten nur wenige Autos und man kann über einen Pfad direkt bis zum Eingang der Höhle laufen, in welcher der Gljúfrabúi liegt. Der Weg in die Höhle führt durch einen kleinen Fluss, es ragen aber ausreichend größere Steine aus dem Wasser, um halbwegs geschickt trockenen Fußes zum Wasserfall zu kommen. Man muss nur auf die entgegenkommenden Leute aufpassen, die aus der Höhle raus möchten. In der Höhle wird man dann aber trotzdem nass, und zwar von oben. Der Wasserfall fällt nur wenige Meter vor einem in den Fluss, wobei eine Menge Spritzwasser und Gischt aufgewirbelt wird. Und es ist phantastisch! Wir hatten das Glück, dass es gerade sehr leer war, sodass wir noch kurz gewartet haben und einfach nur gestaunt haben, bis wir praktisch alleine in der Höhle waren. Man kann für tolle Fotos auf einen großen Felsen vor dem Wasserfall klettern oder sich unten vor den Wasserfall stellen. Das Gefühl in der Höhle mit den bemoosten Wänden und dem Geräusch des Wasserfalls ist einfach unbeschreiblich schön und hat es damit für uns auch in die Highlights der Wasserfälle geschafft. Nach einer Weile wurde es dann wieder voller in der Höhle und wir sind wieder raus geklettert und zum benachbarten Seljalandsfoss rüber gelaufen. Wie erwartet war es hier sehr voll. Touristen werden reisebusweise für einen kurzen Stopp ausgeladen, schwingen ihre Selfiesticks, laufen einmal in ihren Plastikponchos hinter dem Wasserfall entlang und verschwinden dann auch schon wieder, während der nächste Reisebus auf den Parkplatz rollt und das Schauspiel von vorne beginnt. Sowas ist ja eigentlich gar nicht nach unserem Geschmack, aber manchmal lässt es sich leider nicht vermeiden. Wir haben uns dann auf uns und den schönen Wasserfall konzentriert, und sind auch einmal hinter dem Wasserfall hergelaufen, was ein sehr interessantes Erlebnis ist und man auf jeden Fall tun sollte. Man wird natürlich nass, aber das ist mit einer vernünftigen Regenjacke kein großes Problem. Außerdem hat es immer noch geregnet und wir waren sowieso schon sehr nass.

    Man kann an einer Stelle genau mittig hinter dem Wasserfall auch einen steilen Weg nach unten gehen, hier ist man dem aufprallenden Wasser dann sehr nahe und kann das Getöse hören, das von dem Wasserfall ausgeht. Was man hier dafür nicht mehr hört, sind die anderen Leute und da auch nur sehr wenige hier heruntersteigen (geht halt schlecht in Turnschuhen und Schläppchen), hat man hier dann auch endlich die Möglichkeit, den Wasserfall ganz in Ruhe zu betrachten. Hier unten hat es uns sehr gut gefallen, nach einer Weile sind wir dann wieder hochgestiegen und den Rest des Pfades hinter dem Wasserfall entlanggelaufen. Von vorne kann man von einer Holzbrücke noch sehr schöne Fotos machen, allerdings mit vielen Leuten im Hintergrund. Insgesamt waren wir etwa eine Stunde bei den beiden Wasserfällen. Auf dem Weg zum Auto ging dann noch ein ordentlicher Platzregen runter, der dann sehr an unseren Nerven gezehrt hat.


    Da wir jetzt schon richtig nass waren, haben wir beschlossen, zum Pool Seljavallalaug zu fahren und ein wenig schwimmen zu gehen. Den Parkplatz erreicht man über eine Schotterstraße und von dort aus läuft man etwa zwanzig Minuten auf einem gut erkennbaren Trampelpfad zu dem kostenlosen Pool in der Natur. Am Becken angekommen waren schon recht viele Leute im Wasser. Allerdings sah das Wasser sehr schlecht aus, besonders an den Rändern haben sich unschöne Ablagerungen und Schaum gebildet und der Temperaturtest hat auch eher lauwarmes als wirklich schön mollig warmes Wasser ergeben. Wir haben uns dann doch gegen das Bad entschieden und sind zurück zum Auto gelaufen. Auch ohne zu baden ist das hier aber ein netter kleiner Spaziergang und der halb verfallene Pool mitten im Nichts ein schönes Fotomotiv.


    Wir sind dann weiter zum Wasserfall Skógafoss gefahren. Am Anfang hat es uns hier nicht sehr gut gefallen, weil auch hier wieder Reisebus neben Reisebus stand und das ganze Areal von Touristen überschwemmt war. Wir sind dann erstmal bis ganz vorne an den Wasserfall ran gegangen. Hier wird man sehr nass, aber es ist ein tolles Gefühl, in der Gischt zu stehen und das Tosen des Wasserfalls zu hören. So nah wagen sich die meisten auch nicht ran und so hat man hier ein wenig Ruhe. Danach sind wir die Treppe nach oben zum Wasserfall hochgestiegen. Dieser Weg ist auch sehr beliebt und dementsprechend voll. Man hat aber eine tolle Aussicht auf die umliegende Landschaft und kann dem Flusslauf noch so weit folgen, wie man mag. Da dies die wenigsten tun, ist man auf dem breiten, geschotterten Weg schon nach wenigen Minuten alleine und kann die Ruhe genießen und sich die schönen Kaskaden ansehen. Wieder unten beim Wasserfall hatten wir Glück, dass gerade sehr wenig los war und so konnten von wir noch schöne Bilder ohne Leute im Weg machen.

  • Danach brauchten wir dann etwas Ruhigeres und sind zum Museum Skógar gefahren. Da es aber schon später Nachmittag war, hatte das Museum bereits geschlossen. Wir haben dann unser Auto stehen lassen und sind zum Wasserfall Kvernufoss gelaufen. Man erreicht diesen hübschen, wenig bekannten Wasserfall, wenn man am Museum geradeaus vorbeigeht und über eine Treppe auf die benachbarte Schafswiese steigt. Über diese führt ein gut erkennbarer Pfad in etwa zwanzig Minuten zum Wasserfall. Da dies Privatland ist, sollte man sich noch umsichtiger als sonst benehmen und die Tiere nicht stören. Am Wasserfall angekommen kamen uns noch zwei andere Reisende entgegen, ansonsten waren wir komplett alleine. Der Wasserfall ist wunderschön, man kann dahinter steigen und die tolle Aussicht auf die Berge mit dem Wasserfall davor genießen und einfach nur in Ruhe schauen. Wir waren fast eine halbe Stunde hier, haben auf den Steinen gesessen und endlich hatte dann auch der Regen aufgehört, der uns bis hierhin den ganzen Tag begleitet hatte, und die Sonne ist ein bisschen rausgekommen. Und in dem Moment waren wir einfach nur glücklich, weil so hatten wir uns Island vorgestellt: einen einsamen Wasserfall mit tollem Ausblick nur für uns alleine. Als dann nach einer Weile die nächsten Leute kamen, sind wir zurück zum Auto gelaufen und haben beschlossen, dass wir für heute genug gesehen haben.


    Da ich unbedingt in Þakgil übernachten wollte, sind wir dann an ein paar Highlights vorbeigefahren, zu denen wir am nächsten Tag wieder zurückfahren wollten. Die Fahrt nach Þakgil mit dem kleinen Wagen war abenteuerlich aber doch machbar, die steinige Piste, die häufig hoch und runter geht, kann man vielleicht als Hochland light bezeichnen. Die Fahrt bietet aber wunderschöne Ausblicke auf die Berge und den Mýrdalsjökull. Da es jedoch schon spät war, sind wir durchgefahren und haben nicht an den Parkplätzen gestoppt, um Fotos zu machen. Für die knapp 14 Kilometer auf der steinigen Piste haben wir gute 35 Minuten gebraucht, hatten aber auch einen Wagen mit Anhänger vor uns, nach dem wir uns gerichtet haben. Der Campingplatz ist einer der schönsten Plätze, auf denen wir in Island übernachtet haben. Er liegt gut geschützt zwischen den Bergen, ein Wasserfall fällt den Berg hinunter und ein kleiner Fluss fließt am Rand des Platzes entlang. Wir haben an der Rezeption bezahlt und danach unser Zelt mit Blick auf den kleinen Fluss aufgebaut. Die Duschen hier sind kostenlos nutzbar und es gibt einen Essbereich, der in einer natürlichen Höhle liegt. Hier haben wir dann auch unser Abendessen gemacht und sind danach sehr zufrieden ins Bett gegangen.