Mein Reisebericht: vier Wochen Island im Juli 2019

  • Hat der Campingplatz in Mjóanes nur eine zeltetest oder ist er auch für Wohnmobile geeignet? Also gibt es auch Strom Anschluss und wenn möglich einen befestigten Boden. Wir stehen nicht so gerne auf Gras, da wir dann ev. beim rausfahren Spuren hinterlassen.

    Hi, der Platz hat auch Stromanschlüsse, allerdings tatsächlich nur Wiese. Der obere Teil ist etwas befestigter, da habe ich aber nicht drauf geachtet, ob hier auch Stromanschlüsse sind.



  • Hallo Melly,

    vielen Dank. Das ist einer der aller-aller-besten Reiseberichte, die ich gelesen habe. Einfach super!

    Außerdem beschreibt er so genau unseren letzten Urlaub, dass das Lesen trotz aller Freude schon ein bißchen weh tut. Bitte ganz schnell viel mehr davon.thx1

  • Tag 8 – Montag, der 08. Juli 2019


    Wir haben heute Nacht sehr gut und ruhig geschlafen und wurden heute Morgen von den Vögeln geweckt. Nachdem wir gestern schon dachten, dass der Campingplatz einfach perfekt ist, hat die Gastgeberin Elsa heute Morgen noch einen draufgesetzt und uns und den wenigen Übernachtungsgästen der Gästezimmer ein komplettes Frühstück in der Küche bereitgestellt. Es gab Kaffee und Tee, Saft, selbstgebackenes Früchtebrot, verschiedene Marmeladen, Butter und Käse. Nach dem Frühstück haben wir uns von den Gastgebern verabschiedet und uns für das tolle Frühstück und die wunderbare Übernachtung bedankt und noch eine Weile mit den beiden geredet. Elsa hat uns dann noch den Tipp gegeben, unbedingt zu den Puffins nach Borgarfjörður eystri zu fahren, was wir später auch machen sollten.


    Unser erstes Ziel war dann erstmal der Hengifoss. Die Fahrt an der Ostseite des Sees geht durch ein großes Waldgebiet, hier soll man auch sehr gut spazieren gehen können. Es gibt auch einen Parkplatz mit einer sehr guten Sicht über den See und das Umland, leider haben wir diesen zu spät gesehen und waren dann schon vorbeigefahren.

    Vom Parkplatz des Wasserfalls aus geht es dann etwa eine Dreiviertelstunde auf einem breiten Weg bergauf. Etwa auf halber Höhe kommt man an dem ebenfalls sehr schönen Litlanesfoss vorbei. Auf dem Weg gibt es immer wieder Bänke zum Ausruhen und die Aussicht auf die umliegenden Berge und den See ist einfach phantastisch. Leider konnten wir nur bis zu einem Aussichtspunkt auf den Hengifoss laufen, dahinter war der Weg aus Naturschutzgründen gesperrt und so sind wir umgedreht und zurück zum Parkplatz gelaufen. Der Ausflug hierhin hat etwa anderthalb Stunden gedauert und da es noch recht früh war, war es auch noch nicht sehr voll.


    Danach sind wir nach Egilsstaðir gefahren, um einkaufen zu gehen, und dann direkt weiter in Richtung Seyðisfjörður. Kurz hinter der Abzweigung nach Seyðisfjörður haben wir beim Wasserfall Fardagafoss gehalten. Hier parkt man an einem kleinen Parkplatz neben der Straße und läuft dann etwa zwanzig Minuten bergauf, bis man den Wasserfall erreicht hat. Bis kurz vor dem Wasserfall ist der Weg gut zu laufen, das letzte Stück ist dann aber sehr steil und schlammig. Es sichern zwar Ketten den Auf- und Abstieg, hier sollte man trotzdem besonders vorsichtig sein. Und dann steht man in der Gischt des hübschen Wasserfalls und kann ganz in Ruhe staunen, denn bis ganz nach vorne geht fast niemand und so waren wir hier alleine. Danach sind wir zum Parkplatz zurückgelaufen und weiter in Richtung Seyðisfjörður gefahren. Der kurze Abstecher zum Fardagafoss dauert nur etwa eine Dreiviertelstunde und hat uns sehr gut gefallen.


    Kurz vor Seyðisfjörður soll noch der Gufufoss einen Stopp wert sein. Leider war hier sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg der kleine Parkplatz voll, sodass wir nicht anhalten konnten. In Seyðisfjörður angekommen haben wir am Supermarkt geparkt und uns einen kleinen Mittagsimbiss gekauft. Leider lag ein großes Kreuzfahrtschiff im Hafen vor Anker und die Stadt war mit den Kreuzfahrttouristen überschwemmt. Wir sind dann mit Skyr und Sandwiches zur blauen Kirche der Stadt gelaufen und haben hier an einer Picknickbank erstmal eine Mittagspause gemacht. Danach haben wir uns die kleine Kirche angesehen und sind durch die vielen Galerien der Stadt gebummelt.

    Wir haben beide einen Islandpulli gekauft. Mein Pulli ist weiß mit lila Muster, für diesen mädchenhaften Pulli habe ich in den darauffolgenden Wochen sowohl von Isländern als auch von Touristen ganz viele Komplimente bekommen. Lennys Pulli ist schwarz und braun und hat eine Kapuze und einen Reißverschluss. Wir sind sehr glücklich mit unseren Pullis und werden diese in den kommenden Wochen auch noch oft tragen. Sie sind wirklich praktisch, schön warm, ein bisschen winddicht und halten auch den gelegentlichen Nieselregen super ab. Wir waren auch sehr glücklich, dass wir so tolle Pullis in den kleinen Galerien gefunden haben, einmal von der Besitzerin selbst gestrickt und in der anderen Galerie von der Mutter der Besitzerin. Das macht das Souvenir sehr besonders, wenn es nicht aus der Massenproduktion kommt, sondern individuell und handgemacht ist.

    Zum Schluss haben wir uns noch auf die Regenbogensteine vor der Kirche gesetzt und eine Weile gewartet, bis wir ein Foto machen konnten, durch das keine Leute durchgelaufen sind. Das war eine Geduldsprobe, aber die schönen Bilder am Ende haben die Warterei wett gemacht.

  • Danach sind wir dann nach Borgarfjörður eystri gefahren. Die Fahrt hierhin geht über eine Schotterstraße mit Blick auf das Meer und die bunten Berge und alleine die Aussicht ist wunderschön und lohnt die Fahrt. Wir haben unterwegs etwa auf halber Strecke noch an einem tollen Aussichtspunkt gehalten und kurz ein paar Wale im Fjord gesehen, dann sind wir weiter bis nach Borgarfjarðarhöfn, wo man die Puffins sehen kann. Es führt eine Holztreppe über den Felsen, für die Instandhaltung der Treppe sollte man ein paar Kronen in die Spendenbox schmeißen. Es gibt auch ein kostenpflichtiges Beobachtungshäuschen aber das braucht man bei schönem Wetter gar nicht. Wir waren am Abend hier und der ganze Berg war voller Puffins. Die Bruthöhlen der Puffins liegen teilweise direkt neben der Treppe und man kann die putzigen Tiere wunderbar beobachten. Die Tiere kennen die Menschen auch und sind sehr neugierig. Wir sind dann auf der Treppe hin und her gelaufen und haben hier und dort geschaut und viele tolle Fotos der Puffins gemacht. Nach etwa einer Stunde sind wir dann zum Campingplatz gefahren, haben unser Zelt aufgebaut und Abendessen gemacht. Alt später die Rezeption besetzt war, haben wir noch die Übernachtungsgebühr bezahlt. Der Campingplatz ist ganz in Ordnung, man hat einen tollen Ausblick auf die Berge und den Elfenberg Álfaborg, es gibt eine kleine Küche mit zwei Picknicktischen. Leider gibt es nur zwei Duschen und die WCs sind nicht sehr sauber.


    Zum Abschluss des Tages sind wir noch eine Runde durch das Dorf gelaufen. Vom Campingplatz aus sind wir erst an der Kirche vorbeigelaufen und dann zum Grassodenhaus Lindarbakki und danach noch auf den Álfaborg geklettert, von dem aus man eine tolle Sicht auf die umliegenden Berge und das Meer hat. Da dieser Berg von Elfen bewohnt ist, bitte unbedingt auf den Wegen bleiben, keine Steine verschieben oder mitnehmen und sich, wie sonst auch überall, respektvoll verhalten. Man möchte ja schließlich nicht den Unmut der Elfen auf sich ziehen.



  • Tag 9 – Dienstag, der 09. Juli 2019


    Heute Morgen waren wir sehr früh wach, damit wir uns schnell fertig machen konnten, bevor der Ansturm auf die zwei Duschen losgeht. Danach haben wir gefrühstückt, unser Zelt abgebaut und sind dann noch einmal zu den Puffins bei Borgarfjarðarhöfn gefahren. Gestern Abend war es hier recht voll, heute Morgen waren wir praktisch alleine an der Treppe. Dafür waren auch nicht mehr ganz so viele Puffins hier, die meisten waren schon raus aufs Meer geflogen. Trotzdem waren noch einige Tiere hier, die wir gut beobachten und von denen wir tolle Fotos machen konnten, und wir waren dann auch noch fast eine Stunde an der Treppe, bevor wir weiter gefahren sind.


    Auf der Passstraße zurück zur Ringstraße haben wir dann noch einmal an dem tollen Aussichtspunkt vom Vortag gehalten und ein bisschen in den Fjord geschaut. Heute Morgen haben wir aber keine Wale gesehen. Und dann sind wir auf der Ringstraße etwas mehr als eine Stunde gefahren, bis die Straße 864 Richtung Dettifoss abzweigt. Die Fahrt auf diesem Stück der Ringstraße ist sehr abwechslungsreich, man sieht grüne Berge, dann wechselt sich die Landschaft ab mit kargen Stein- und Lavawüsten und roten Berge. Unterwegs haben wir noch an mehreren Stellen mit toller Aussicht angehalten. Einmal haben wir rechts in den Bergen neben der Ringstraße einen schönen Wasserfall gesehen und dann an dem dazugehörigen Parkplatz angehalten. Vom Parkplatz aus läuft man nur etwa fünf Minuten einen geschotterten Weg entlang, bis man an einem Aussichtspunkt steht und den Wasserfall toll im Blick hat. Danach haben wir noch an einem Aussichtspunkt gehalten, von dem aus man rote und schneebedeckte Berge sieht.


    Die Schotterstraße 864 zum Dettifoss ist auch mit einem Kleinwagen gut zu fahren, man braucht ab dem Abzweig von der Ringstraße bis zum Parkplatz etwa eine Dreiviertelstunde. Hier ist es sehr voll und man läuft etwa zehn Minuten über einen steinigen Weg, bis man an einem Aussichtspukt mit schönem Ausblick auf den Dettifoss angekommen ist. Danach kann man noch weiter nach vorne laufen, die Steine reichen hier praktisch bis an den Wasserfall heran. Dies animiert leider viele dazu, unvorsichtig zu sein und sehr nahe an die Kante heran zu gehen. Wir haben lieber etwas Abstand gehalten, auch von ein paar Metern weiter weg bekommt man schöne Bilder.


    Uns war es hier schon nach ein paar Minuten zu voll und so sind wir auf dem ausgeschilderten Wanderweg zum benachbarten Wasserfall Selfoss gelaufen. Der Weg hierhin geht über große und kleine Steine und ist nicht sehr breit. Man erreicht in etwa zwanzig Minuten den Selfoss. Dieser besteht eigentlich aus mehreren Wasserfällen und bietet einen wunderschönen Anblick. Da es hier deutlich ruhiger zuging, konnte man auch besser schauen und Fotos machen. Uns hat es hier eigentlich sogar besser gefallen als am Dettifoss und wir haben uns dann auf einen großen Stein gesetzt und dem Wasserfall eine Weile einfach nur zugeschaut, bevor wir wieder zurück zum Auto gelaufen sind. Insgesamt waren wir am Dettifoss und am Selfoss etwa zwei Stunden.


    Weiter auf der Straße 864 kommt bereits kurz hinter dem Parkplatz Dettifoss ein Abzweig zum Hafragilsfoss. Diesen haben wir genommen und haben dann vor dem Hügel auf einem Parkplatz geparkt. Hinter dem Hügel ist es steil und voller Schlaglöcher, da muss man sich mit einem normalen Auto nicht durchquälen. Vom Parkplatz vor dem Hügel führt ein Weg zu einem Aussichtspunkt mit tollem Blick auf den Wasserfall und von hierhin weiter bis zu einem kleinen Hügel mit einer noch besseren Aussicht. Der Wasserfall ist wunderschön und man kann weit in die Schlucht hinein blicken. Dazu ist es sehr ruhig, weil hier nur wenige Leute anhalten. Wir waren etwa eine halbe Stunde hier und sind durch das Gebiet gelaufen, bevor wir weiter gefahren sind.


    Unser nächstes Ziel war die hufeisenförmige Schlucht Ásbyrgi, hier haben wir erst vorne beim Visitor Center angehalten und die Campingplatzgebühr für die Nacht bezahlt, danach sind wir weiter zum Campingplatz gefahren, haben uns einen schönen Platz am Rand mit Blick auf die Schlucht gesucht und hier unser Zelt aufgebaut. Danach haben wir dann eine schöne einfache Wanderung auf den Berg Esjan gemacht. Diese startet direkt am Campingplatz, praktisch neben unserem Zelt, und geht dann eine kurze Zeit an der Wand der Schlucht entlang, bevor man an einer Stelle hoch auf die Anhöhe kommt. Oben angekommen geht es dann immer geradeaus, bis man schließlich den Rand der Anhöhe erreicht hat. Von hier hat man einen tollen Ausblick auf die Schlucht und erkennt die Hufeisenform auch richtig gut. Wir haben hier dann eine Weile auf den Steinen gesessen und in die Schlucht geschaut und sind nach anschließend wieder den Weg zurück zum Campingplatz gelaufen. Die ganze Wanderung dauert etwa anderthalb Stunden und uns hat sie sehr gut gefallen. Wir waren auf dieser Wanderung ganz alleine und wir können sie auf jeden Fall empfehlen. Sie ist nicht sehr anstrengend und am Ende wird man mit dem tollen Ausblick belohnt.


    Zurück am Campingplatz sind wir dann mit dem Auto die Straße, die durch die Schlucht verläuft, bis zum Parkplatz am Ende der Schlucht entlanggefahren und haben von hier einen schönen Spaziergang durch das kleine Waldgebiet unternommen. Wir sind dem breiten Weg bis zu einem kleinen Ententeich gefolgt, wo wir eine Weile gesessen haben und sind anschließend rechts weitergelaufen. Am Rand der Schlucht sind wir eine steile Treppe nach oben gestiegen und hier vorsichtig weiter geklettert. Hier hat man einen tollen Blick auf die Schlucht und erkennt die ganze Hufeisenform mit dem Berg Esjan als Hufstrahl sehr gut. Auf dem Weg zum Parkplatz zurück sind wir dann noch auf einen kleinen Lehrpfad zu einheimischen Pflanzen gestoßen, den wir natürlich auch noch entlanggelaufen sind. Insgesamt waren wir etwa eine Dreiviertelstunde in dem Waldgebiet, bevor wir wieder zurück zum Campingplatz gefahren sind, Abendessen gekocht haben und dann ins Bett gegangen sind. Der Campingplatz ist sehr schön, zwar recht voll, aber sehr weitläufig. Es gibt ein sauberes Servicehaus mit kostenpflichtigen Duschen, aber leider keine Küche. Da das Wetter jedoch schön sonnig war, konnten wir ohne Probleme draußen mit Blick auf die Schlucht unser Abendessen kochen.