2. September – Sonntag
Ohne "D" hätte ich wohl nichts gewusst vom Schafsabtrieb.
Es sollte sich als das Ereignis meiner Reise herausstellen, welches mich am meisten
berührt hat.
Wir wussten ja, früh aufstehen war angesagt, Gabi wollte auch mit, aber in
ihrem Kombi ist noch Ruhe. "D" ist die Frühaufsteherin, muss sie auch, denn
sie muss ja jeden Morgen ihre Isländisch-Lektion lernen
.
Und plötzlich: „Die Schafe kommen“. Weder gewaschen oder geduscht, noch gekämmt
oder Zähne geputzt, von Frühstück ganz abgesehen Áfram Áfram, hurtig auf die
Straße.
Der Anblick, wie unzählige Schafe mit ihren Treibern die „1“ runterkamen….Schafe,
Schafe, Schafe, nichts als Schafe. Die Arbeit der Menschen und die gute Laune,
Wahnsinn! Einige Male mussten auch die Zuschauer gebeten werden Platz zu
machen, um die Schafe nicht zu verunsichern.

Im Gleichschritt!
"D" und ich hinterher zum Rettír. Dieser Rettír, dem ich bis dato gar nicht
so sehr meine Beachtung geschenkt habe, ist noch alt und aus Lavasteinmauern. Dass er genauso noch genutzt wird, zeigt mir das Traditionsbewusstsein
der Isländer. Auf dem großen Platz ist ein Zelt aufgebaut, man kann Kaffee und
andere Getränke und selbstverständlich auch Hot dogs kaufen. Meine Börse ist im
Auto, das ging alles ein bisschen zu fix für mich. Ich am Morgen bin wie…, hm
fällt mir gerade nichts zu ein. Jedenfalls bin ich nicht gerade ein früher
Vogel, eher die Eule.
Der Sammelplatz in der Mitte füllt sich, Wollknäuel an Wollknäuel, eines
hübscher als das andere und mein Liebling ist dann auch schnell gefunden.

Wer will mein Lopapeysa werden?
Dann mein Moment (s.o.). Zwei der Verantwortlichen halten
eine kurze Rede und dann wird gesungen. Diese Emotionen, die da in einem
hochkommen, das muss man erleben und natürlich sich auch darauf einlassen
wollen.
Vater, Mutter, Kinder, Oma, Opa, alle sind nun dabei die
Schafe zu finden, die zu ihnen gehören. Stück um Stück werden die Tiere in das
entsprechende Familiensegment geführt. Die Art, wie das gemacht wird und, dass
sogar die Kleinsten bereits mithelfen dürfen – einfach toll.
Ich bin geflasht!

Besser als jede Playstation.
Das soll für heute aber noch nicht alles sein. Wir haben uns
mit "J" und "H" verabredet, um zu "R" und "S" zu fahren. Wir
treffen uns auf "S" Hof, zunächst trudeln" J" und "H" ein, dann beginnt
das Warten auf die Schafe. Zwischenzeitlich dürfen wir uns auf dem Hof etwas
umsehen.

Das ist nicht das Wohnhaus 
"S" Eltern erlauben uns auch zu fotografieren und Millionen Tierchen
beobachten uns. Sie wollen uns genau kennenlernen, kriechen in die Ohren, in
die Nasenlöcher, unter die Brille und ich weiß nicht wohin noch. Zum Glück gibt
es dagegen die Mückennetze, wenn, ja wenn man dies nicht im Badraum auf dem CP
liegen lässt. Ich bin wütend auf mich selbst und schimpfe und finde es gerade
absolut nicht toll hier am See die Zeit zu verbringen – aber das sag ich nicht.
Die beiden haben gut lachen - mit Netz 
Wir warten ziemlich lange, die Schafe sind nicht zu hören und "H" hat dann
die rettende Idee. Alle Mann, eh ne, alle Frau in sein knallrotes Vehikel und
ab zum Jarðboðin zum Kaffee trinken. Allein in das Auto hinein zu kommen ist ja
schon eine Herausforderung und bestimmt seh‘ ich bei dem Unterfangen nicht
gerade supertoll sportlich aus. Egal, da müssen sie alle durch.
Ist schon putzig die Menschen im Bad diesmal von der Terrasse aus zu sehen. Und
der Kuchen schmeckt so saulecker, da muss ich ein zweites Stück holen. Tja,
Pech gehabt, ich wusste nicht, dass dieses Stück nicht süß, sondern deftig ist.
Naja, nix wie runter damit.
Es geht wieder los zu "S" Hof und wir warten erneut. Irgendwie kommen wir
auf Flensburger Pils zu sprechen und Hilmar bekommt eine trockene Kehle, aber
auch das alkoholfreie lehnt er ab. Was soll man machen, wenn man schmachtende
Männeraugen sieht
– man verschenkt sein Bier! Eigentlich ja ein no-go, aber was
tut man nicht alles für die Herren der Schöpfung. Und außerdem sind "J" und "H" extra aus Akureyri gekommen, ist ja nun auch nicht gerade mal eben so um
die Ecke.
Irgendwann hören wir das Geblöcke und die Schafe kommen. Leider fällt unser „Mini-Forumstreffen“
sehr kurz aus, denn "R" und "S" haben wenig Zeit. Wenn die Schafe da sind,
heißt es ja noch nicht, dass die Arbeit beendet ist.
Schön Euch kennengelernt zu haben.
Wir verabschieden uns. Auf dem CP gibt es dann noch eine Überraschung für "D". Frech wie ich manchmal bin, habe ich unseren Wunschplatz tagsüber
einfach mit Stromkabel und Stühlen reserviert. "D" war ganz traurig, dass
sich da zwei den Platz reserviert haben. Sie ist gar nicht darauf angesprungen,
als ich sagte:“da haben sich 2 Frauen den Platz gekrallt“.
Wir waren müde, aber noch nicht so sehr, als dass wir uns auf die faule Haut
legen wollten. Ein Spaziergang lag an zur Storagja. Wir waren die einzigen in
der Felsspalte und es war wirklich wunderschön.

Bizarre Kunst
Das Gesöff zum Tagesabschluss hatten wir uns dann aber auch
verdient. Sag noch einer 142 gesammelte Jahre sind nicht fit wie ein Turnschuh.
Meine dann folgende Albtraumnacht beschreib ich dann beim
Nächstenmal. Es war wirklich grausam. Könnt mich heut noch schütteln.